FINSTERSEE
Kirche St. Karl Borromäus
SONNTAG, 5. AUGUST 2018, 17.00 UHR
«Fast vergessen»
DIEGO CHENNA UND FREUNDE

Simone Roggen, Violine
Maria Alba Carmona Tobella, Oboe

Geboren 1986 in Frankreich, mit katalanischen Wurzeln. Studien in San Sebastián und Basel. Mitglied des Kammerorchesters ohne Dirigent «Spira Mirabilis» und seit 2011 Mitglied des Orchesters der Oper Zürich. Mitbegründerin des Azahar Ensemble (2. Preis ARD-Wettbewerb 2014 in München).

Laura Pou, Flöte
Diego Chenna, Fagott

Geboren in Italien. Studien in Turin und Stuttgart. 1998 1. Preis beim Internationalen Fernand Gillet Wettbewerb in den USA. Internationale Karriere als Solist und Kammermusiker. Professur an der Hochschule für Musik Freiburg im Breisgau. Gastdozent für zeitgenössische Musik an der Musikhochschule Luzern.

Simon Hartmann, Kontrabass

Geboren 1990 in Berchtesgaden. Ausbildung an der Musikhochschule Freiburg und in Berlin. Solokontrabassist im International Mahler Orchestra und in der Badischen Kammerphilharmonie. Ständiger Gast beim Merlin Ensemble Wien. Grosses Interesse sowohl für alte wie auch für ganz neue Musik.

Naoki Kitaya, Cembalo

Geboren in Tokio, Japan. Nach dem Abitur Übersiedlung nach Europa. Studien bei Nikolaus Harnoncourt, Johann Sonnleitner und Andreas Staier. Lebt heute als freischaffender Musiker in Zürich. Die CD-Einspielungen mit seinem Duo-Partner Maurice Steger, Blockflöte, wurden international ausgezeichnet.

Willy Merz, Orgel

Programm

Johann Sebastian Bach (1685–1750)

Triosonate in c-moll BWV 526

Willy Merz (*1964)

Organum für Fagott und Orgel (Uraufführung)

Antonio Vivaldi (1678–1741)

Sonata a quattro in C-Dur RV 801

Johann Sebastian Bach (1685–1750)

Triosonate in F-Dur BWV 1040

Heitor Villa-Lobos (1887–1959)

Bachiana Brasileira Nr. 6 für Flöte und Fagott

Luciano Berio (1925–2003)

Psy für Kontrabass

Jan Dismas Zelenka (1679–1745)

Sonata in trio Nr. 3 in B-Dur ZWV 181

Ticketreservation

Kirche St. Karl Borromäus

Die ursprüngliche Siedlungsstruktur der heutigen Gemeinde Menzingen war geprägt von Weilern und Hofgruppen ohne eigentliches Zentrum. Letzteres begann sich erst im späten 15. Jahrhundert mit der Abtrennung von der Pfarrei Baar und mit dem Bau einer eigenen Pfarrkirche in Menzingen zu bilden. Einer dieser Weiler, am Weg Richtung Sihlsteg und Zürichbiet, war das aussichtsreich am Nordhang des Gottschalkenbergs auf einer Höhe von etwa 770 Meter ü. M. gelegene Finstersee. Namengebend war die dunkle Wasserfarbe des weiter unten gelegenen kleinen Wilersees. Typisch für die dynamische Eigenständigkeit der Finsterseer ist der Bau der Kirche St. Karl Borromäus. Nachdem man sich 1853/54 mit dem Rohbau des Schulhauses fast übernommen hatte, so dass der Innenausbau erst acht Jahre später fertiggestellt werden konnte, wurde 1862 eine Kaplaneipfründe gestiftet. Der Kaplan übernahm nicht nur die Führung der Gesamtschule, sondern trieb zusammen mit der Kapellgenossenschaft auch den Kirchenbau am Ort einer älteren Kapelle voran. Schon 1868 wurde die schmucke, nach Plänen des Luzerner Baumeisters Wilhelm Keller (1823–1888) errichtete Kirche eingeweiht.

Anfahrt

Von Menzingen auf der Neudorfstrasse knapp 3 km Richtung Sihl hinunterfahren und dann rechts abbiegen. Parkplätze werden signalisiert. Kein ÖV. Shuttledienst ab Menzingen Post ab 15.30 Uhr (bitte unbedingt reservieren!).

Diego Chenna und Freunde

Wenn der wunderbar feine italienische Fagottist Diego Chenna die neuseeländische Geigerin Simone Roggen, die französisch-spanische Oboistin Maria Alba Carmona, die spanische Flötistin Laura Pou, den deutschen Kontrabassisten Simon Hartmann und den japanischen Cembalisten Naoki Kitaya ruft, um für die Sommerklänge ein Ad-hoc-Ensemble zu bilden, dann ist die Bezeichnung «und Freunde» keine leere Floskel, sondern Ausdruck für gemeinsam gelebte Musizierfreude und Kollegialität. Das beginnt schon beim Programm, das nicht einfach aus der Schublade gezogen, sondern miteinander erarbeitet und immer wieder geändert wird, bis es endlich stimmt. Die grossen barocken Meister, vor allem Zelenka, dürfen nicht fehlen. Dass auch ganz neue Töne zu ihrem Recht kommen, dafür ist Diego als Dozent für zeitgenössische Kammermusik der richtige Mann.

Fast vergessen

Heutzutage ist der Weltrang des Komponisten Johann Sebastian Bach (1685–1750) derart unbestritten, dass es kaum mehr vorstellbar ist, dass seine Werke nach seinem Tod in Vergessenheit gerieten und kaum mehr öffentlich aufgeführt wurden, bis Felix Mendelssohn eine eigentliche Bach-Renaissance einleitete. Ähnlich, aber noch viel extremer, ist es dem genialen böhmischen Komponisten Jan Dismas Zelenka (1679–1745) ergangen, der fast zur gleichen Zeit wie Bach lebte, bis ins späte 20. Jahrhundert fast völlig vergessen ging und heute mit seinen besten Werken auf eine Stufe mit dem grossen Zeitgenossen gestellt wird. Zelenka ist immer noch ein Rätsel, weil man viel zu wenig über ihn weiss. Autodidakt, wahrscheinlich homosexuell, ein Leben lang am sächsischen Kurfürstenhof in Dresden und in den letzten Jahren immer verzweifelter und menschenscheuer, weil er von seinem Dienstherrn nicht nur geringgeschätzt und totgeschwiegen wurde. Der Kurfürst liess es auch nicht zu, dass Zelenkas Werke weiter verbreitet wurden. Dessen Musik ist von einzigartiger Originalität, voller böhmischer Rhythmen, prickelnder Lebendigkeit und geprägt von einer magistralen technischen Fertigkeit. Insbesondere mit den 6 Triosonaten hat die Musikwelt ein spätbarockes Bläser-Répertoire von allerhöchstem Rang geschenkt bekommen.

Mit den Triosonaten von Bach und Zelenka und mit der Sonata a quattro des dritten Zeitgenossen Antonio Vivaldi (1676–1741), dessen Werke ebenfalls erst im 20. Jahrhundert wieder entdeckt und der Vergessenheit entrissen wurden, sind kontrastreich drei moderne Kompositionen verflochten, darunter eine Uraufführung von Willy Merz (*1964), dem gebürtigen Lausanner, der heute in Turin lebt. «Organum» für Fagott und Orgel ist ein Stück, das antike und zeitgenössische Elemente mischt und ausdrücklich als Hommage an die Kompositionstechnik von Zelenka gedacht ist. In «PSY» von Luciano Berio (1925–2003) ist der Kontrabass der Solist. Die Musik scheint mit Ableitungen aus einem barocken Thema zu spielen, suggeriert Bach und Vivaldi und erinnert in einem kurzen lyrischen Abschnitt an eine italienische Barockarie. Für Heitor Villa-Lobos (1887–1959) wiederum war Johann Sebastian Bach eine ständige Inspirationsquelle. Er war geradezu besessen von Bachs Musik, der er in den Bachianas Brasileiras ein Denkmal gesetzt hat. Das im Konzert zu hörende Duo für Flöte und Fagott mischt Bach und brasilianische nostalgische Themen mit einer fast schwindelerregenden Virtuosität.

Einführung zum Konzertort

Thomas Glauser
Lic. phil., Historiker, Stadtarchivar von Zug

Catering

luegid'BAR Finstersee

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