BAAR
Reformierte Kirche
Sonntag, 22. JULI 2018, 17.00 UHR
«Letzte Werke»
KUSS QUARTETT

Jana Kuss, Violine

Geboren 1975. Aufgewachsen in Ost-Berlin. Ausbildung bei Eberhard Feltz, Adelina Oprean in Basel und Thomas Brandis in Berlin. Gründete als 14-Jährige zusammen mit Oliver Wille das Kuss Quartett. Wichtige Impulse von Paul Katz (Cleveland Quartet), Walter Levin und György Kurtág.

Oliver Wille, Violine

Geboren 1975 in Ost-Berlin. Ausbildung an den Musikhochschulen Berlin und Köln, an der Indiana University Bloomington sowie am New England Conservatory Boston. Mitgründer des Kuss Quartetts. Professor für Kammermusik in Hannover. Gastprofessur am Birmingham Conservatory, England.

William Coleman, Viola

Gebürtiger Engländer. Ausbildung am Mozarteum Salzburg bei Thomas Riebl und am New England Conservatory in Boston bei Kim Kashkashian. War Solobratschist der Camerata Salzburg. Seit 2002 Mitglied des Kuss Quartetts. Seit 2015 Professor an der Universität Mozarteum Salzburg.

Mikayel Hakhnazaryan, Violoncello

Geboren 1976 in Armenien. Spross einer Musikerfamilie. Studien in Armenien, an der Musikakademie Tibor Varga in Sion bei Marcio Carneiro sowie an der Musikakademie Basel bei Ivan Monighetti. Seit 2008 Mitglied des Kuss Quartetts. Seit 2014 Solocellist des Münchener Kammerorchesters.

Programm

Ludwig van Beethoven (1770–1827)

Streichquartett Es-Dur op. 127

Ludwig van Beethoven (1770–1827)

Streichquartett a-Moll op. 132

Ticketreservation

Reformierte Kirche Baar

Der Bau der Reformierten Kirche Baar ist ein Kind der ersten Industrialisierungswelle im Kanton Zug mit ihren Fabrikgründungen entlang des Lorzenlaufs. Die durch die Bundesverfassung von 1848 garantierte Niederlassungsfreiheit führte dazu, dass eine wachsende Zahl von reformierten Arbeitskräften in den ehedem rein katholischen Kanton Zug zuzog. 1860 zählte diese Bevölkerungsgruppe bereits 622 Personen. Ein Drittel davon wohnte in Baar. Damit wuchs auch das Bedürfnis nach seelsorgerlicher Betreuung. 1862 bewilligte die Zuger Regierung das Abhalten von protestantischen Gottesdiensten in Zug oder Baar. Der erste Gottesdienst wurde am 6. April 1863, einem Ostermontag, im Packsaal der Spinnerei Baar gefeiert. Ebenfalls 1863 wurde die Protestantische Kirchgemeinde des Kantons Zug gegründet. Und 1866/67 wurde in Baar auf der verlängerten Längsachse der grossen Fabrikgebäude die erste reformierte Kirche im Kanton gebaut – ein zwar schlichter, aber überaus formenklarer klassizistischer Bau, dessen Ausgewogenheit und Formensprache einem grossen Architekten zu verdanken sind: dem Zürcher Ferdinand Stadler (1813–1870), der auch die Pfarrkirche Unterägeri geschaffen hat.

Anfahrt

Die Kirche befindet sich an der Leihgasse.
ÖV: ab den Bahnhöfen Zug und Baar Bus Linie 3 bis Haltestelle Brauerei; bis zur Kirche noch 200 m zu Fuss.
Parkplätze: Haldenstrasse 1 und 5.

Kuss Quartett

2002 wurde das Kuss Quartett vom Deutschen Musikrat und beim Borciani-Wettbewerb mit ersten Preisen ausgezeichnet. 2003 folgte der Borletti-Buitoni Award. Zudem wurde das Streichquartett von der European Concert Hall Organization für das Programm «Rising Stars» ausgewählt. Damit war die Karriere als international anerkannte Spitzenformation lanciert. Carnegie Hall New York, das Concertgebouw Amsterdam, die Londoner Wigmore Hall, die Berliner Philharmonie und und und. Und hin und wieder auch an den Zuger Sommerklängen, so erstmals 2009. Das hängt zweifellos damit zusammen, dass sich das Kuss Quartett in seiner Vermittlung von Kammermusik gerade auch für Konzertformen abseits des gängigen Betriebs einsetzt, so auch in eigenen Aufführungen, die Quartettkompositionen mit literarischen Werken kombinieren.

Letzte Werke

Um den Jahreswechsel 1822/23 hat Ludwig van Beethoven (1770–1827) die jahrelange Arbeit an der Missa solemnis, die er selbst für sein vollendetstes Werk hielt, abgeschlossen. Im Frühling 1824 wurde die 9. Sinfonie uraufgeführt. Der mittlerweile völlig ertaubte Beethoven stand auf der Bühne neben dem Dirigenten. Eine der Solistinnen soll ihn nach dem Scherzo zum Publikum gedreht haben, damit er dessen frenetischen Jubel wenigstens wahrnehmen konnte.

Beethoven, durch seine Taubheit schwerst behindert, ruhelos von einer Mietwohnung zur nächsten ziehend, war häufig kränklich und litt unter schweren Stimmungsschwankungen. Der junge Berliner Dichter Ludwig Rellstab, der den Meister 1825 an der Krugerstrasse in Wien besuchte, war schockiert über den wüsten Mix aus Leere und Unordnung in der Wohnung: Unter dem Fenster ein Flügel; «sonst ist nichts darin zu entdecken, was irgend Behaglichkeit, Bequemlichkeit, vollends Glanz oder Luxus verriete. Ein Schreibschrank, einige Stühle und Tische, weisse Wände mit alten, verstaubten Tapeten – das ist Beethovens Gemach.»

1824–1826 hat Beethoven sein gewaltiges Oeuvre mit den fünf späten Streichquartetten abgeschlossen. So wichtig für diese Stücke seine intensive Auseinandersetzung mit den Kompositionstechniken Johann Sebastian Bachs war, so wenig weisen sie in die Vergangenheit zurück, sondern ganz im Gegenteil weit voraus in die Zukunft. Entsprechend geteilt war die Aufnahme. Für die einen war diese Aufnahme. Für die einen war diese Musiksprache reinstes Chinesisch; Abraham Mendelssohn nannte Beethoven einen Fantasten. Seine Kinder Fanny und Felix Mendelssohn hingegen waren restlos begeistert. Sie erfassten intuitiv, wie weit Beethoven mit diesen Werken das Tor zur Romantik aufgestossen hatte. Das Es-Dur-Quartett op. 127 wurde im März 1825 in Wien uraufgeführt. Vincent d’Indy nannte es hundert Jahre später «die letzte Pastoralsymphonie, die Beethoven geschrieben hat – die Krönung jener Liebe zur Natur, der er im Laufe seines Lebens so wundervollen Ausdruck verlieh». Höhepunkt des a-Moll-Quartetts op. 132 ist der langsame Satz, der berühmte Heilige Dankgesang eines Genesenden an die Gottheit – ein Choral, der nicht nur im Gebrauch des lydischen Kirchentons, sondern auch in der Satztechnik der alten Kirchenmotette und im ganzen schwebend-gesanglichen Duktus an ein chorisches Gebet der alten Zeit erinnert.

Einführung zum Konzertort

Brigitte Moser
Dr. phil., Büro für Bauforschung und Kunstgeschichte in Zug

Catering

Colicchio Vini Zug

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