Zug
Atrium Business Center Grafenau
Sonntag, 8. Juli 2018, 17.00 Uhr
«Schmelztiegel Paris»
Ensemble Chamäleon

Madeleine Nussbaumer, Klavier

Geboren in Zug. Matura. Solistendiplom mit Auszeichnung bei Hubert Harry an der Musikhochschule Luzern. Begeisterte Kammermusikerin. Initiantin des Ensembles Chamäleon und des Festivals Sommerklänge, dessen künstlerische Leitung sie innehat. Lehrtätigkeit.

Tobias Steymans, Violine

Geboren in Deutschland. Abitur. Ausbildung in Köln (Igor Ozim und Zakhar Bron) und Boston USA (Joseph Silverstein). Solistische Konzerttätigkeit. Konzertmeister des Orchesters der Oper Zürich.  Seit 2009 1. Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München.

Luzius Gartmann, Violoncello

Aufgewachsen in Chur. Matura. Konzertexamen an der Musikhochschule Wien bei André Navarra. Seit 1986 Mitglied des Orchesters der Oper Zürich (heute Philharmonia Zürich). Kammermusikkonzerte (Orion Trio, Ensemble Chamäleon, Avalon Trio) in vielen Musikzentren Europas und Japans.

Filipa Nunes, Klarinette

Geboren 1988 in Portugal. Ausbildung in Lissabon und Basel (bei François Benda). Mitglied des Orchesters der Oper Zürich. Dozentin für Bassklarinette am Conservatorio della Svizzera Italiana. Breites Interesse an Literatur, Gesang, Theater und insbesondere am Tango.

Philipp Hösli, Fagott

Geboren 1990 in Zürich. Matura. Ausbildung an der Zürcher Hochschule der Künste (Matthias Racz, Giorgio Mandolesi) und in der Solistenklasse der HMT Leipzig bei Jörg Thomé. Preisträger zahlreicher Wettbewerbe. Stipendiat der Friedl-Wald Stiftung Basel. Seit 2016 Akademist am Opernhaus Zürich.

Wim Van Hasselt, Trompete

Gebürtiger Belgier. Ehemaliges Mitglied des Concertgebouw Orchester Amsterdam. 2015 Mitgründer des Blechbläserquintetts Brass United. Professor an der Hochschule für Musik in Freiburg im Breisgau und ständiger Dozent des Jugendorchesters der Europäischen Union. Lebt in der Schweiz.

Programm

Ernest Bloch (1880–1959)

Drei Nocturnes für Klaviertrio

Bohuslav Martinů (1890–1959)

«La revue de cuisine»: Jazzballett für Klarinette, Fagott, Trompete, Violine, Violoncello, Klavier

Maurice Ravel (1875–1937)

Trio für Violine, Violoncello und Klavier

Ticketreservation

Business Center Grafenau

Das 1993 gebaute Business Center Grafenau mit seiner vorgehängten Metall-Glas-Hülle und der leuchtend weissen Farbe ist ein imposantes, architektonisch faszinierendes Gebäude. Der gerade, ost-west-orientierte Rücken im Norden ist 120 Meter lang. Gegen Süden schliessen kammförmig vier Trakte an, welche drei gebäudehohe, lichtdurchflutete Atrien einschliessen. Die gewählte Orientierung garantiert ein Maximum an optimaler Belichtung. Die mächtige Eiche auf der Südseite ist mit geschätzten 200 Jahren der wahrscheinlich älteste Baum der Stadt Zug. Der Bebauungsplan definierte ganz klar, dass die Neubauten der Eiche ausweichen mussten und nicht etwa umgekehrt. Als sie gepflanzt wurde, war hier weit und breit nur Landwirtschaftsland, insbesondere die während Jahrhunderten gemeinsam genutzte Kuhallmend. Die nächstgelegenen Gebäude waren das Heimwesen Aabach oder an der Aa, das erst um 1900 aufgrund einer skurrilen Adelsherleitung in Grafenau umbenannt wurde, und die Aamühle am offenen Aabach. Sie befand sich am Ort des heutigen kantonalen Verwaltungszentrums.

Anfahrt

Das Business Center Grafenau befindet sich auf der Westseite des Bahnhofs Zug. Zugang über den Grafenauweg. Parkplätze und Parkhäuser in der Umgebung.

Ensemble Chamäleon

Erinnern Sie sich an den klarinettistischen Kuckuck, der letztes Jahr beim «Carnaval des Animaux» ganz hinten in der Scheune ertönte? Das war die bezaubernde Filipa Nunes. Sie steht für das Grundkonzept des 1990 von Madeleine Nussbaumer gegründeten Ensemble Chamäleon, das aus dem Zuger Musikleben nicht mehr wegzudenken ist. Im Kern ist das Ensemble ein Klaviertrio, zu dem neben Madeleine der Geiger Tobias Steymans, Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München, und der Cellist Luzius Gartmann gehören. Je nach Programm stossen weitere Musikerinnen und Musiker und ihre Klangfarben dazu – dieses Jahr neben Filipa der Fagottist Philipp Hösli und der Trompeter Wim Van Hasselt. Übrigens: Filipa ist keineswegs nur Musikerin. In Portugal hat sie sogar einen Literaturpreis gewonnen!

Schmelztiegel Paris

Das Paris des frühen 20. Jahrhunderts war ein kultureller Schmelztiegel ohnegleichen, ein schöpferischer Hotspot, dessen elektrisierende Stimmung Kunstschaffende aller Sparten und von überall her anzog und gerade auch in der Musik, im Tanz und in der bildenden Kunst eine enorme Ausstrahlungskraft entwickelte.

Für Ernest Bloch (1880–1959), den gebürtigen Genfer, war Paris nur eine kurze Durchgangsstation, auf der er immerhin Claude Debussy begegnete. Für seinen weiteren Lebensweg entscheidend war das Jahr 1916. Bloch ging als Orchesterleiter mit einer englischen Tanztruppe auf eine USA-Tournée, wo er buchstäblich strandete, weil die Tournée-Organisation Konkurs machte. Das vermeintliche Unglück wurde zum Glücksfall. Bloch konnte sich nicht zuletzt dank grosszügiger privater Unterstützung in den USA etablieren. 1924 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Aus dem gleichen Jahr stammen die wunderbar stimmigen Nocturnes für Klaviertrio.

Bohuslav Martinů (1890–1959), der aus einer ostböhmischen Kleinstadt stammte, kam als 33-Jähriger nach Paris, wo er von Igor Strawinsky, der «Groupe des Six» und auch vom Jazz nachhaltig beeinflusst wurde. 1940 floh er vor den heranrückenden deutschen Truppen auf Umwegen in die USA. 1952 erhielt auch er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er in der Schweiz als Gast von Paul Sacher. Die «Revue de cuisine» ist ein völlig schräges, fröhliches Jazzballett. Die zehn kurzen, pointierten Sätze erzählen die skurrile Geschichte der bedrohten Liebe zwischen Pfanne und Deckel. Rahmschläger und Küchenlappen treten als Verführer auf, während der Besen auch im moralischen Sinne für Ordnung sorgt. Eine Entdeckung! Martinů selbst hielt das Werk für eine seiner besten Kompositionen.

Für Maurice Ravel (1875–1937), den Sohn eines ausgewanderten Schweizers und einer Baskin, war Paris der Lebensmittelpunkt. Hier wurde er ausgebildet. Hier zog er mit Gleichgesinnten durch die nächtliche Stadt und lehnte sich gegen die Konventionen auf. Hier besuchte der junge Dandy die mondänen Salons, und hier schuf er zusammen mit dem älteren Claude Debussy die Hauptwerke des musikalischen Impressionismus. Eines davon, das 1914 unmittelbar vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs fertiggestellte Klaviertrio, ist seiner zweiten Heimat, dem mütterlichen Baskenland, gewidmet. Die baskische Volksmusik gibt diesem Meisterwerk die Seele. Es gilt heute unbestritten als das klassische Klaviertrio des 20. Jahrhunderts.

Einführung zum Konzertort

Benno Furrer
Dr. phil., Geograf, wissenschaftlicher Leiter der Schweizerischen Bauernhausforschung

Catering

Colicchio Vini Zug

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