WALTERSWIL BEI BAAR
International School Zug Luzern
SONNTAG, 15. JULI 2018, 17.00 UHR
«Unerhört»
ESTHER HOPPE, LORENZO COSSI

Esther Hoppe, Violine

Geboren in Zug. Studien in Basel, Philadelphia (Curtis Institute of Music), London und Zürich. 1. Preise am Internationalen Mozart-Wettbewerb Salzburg und am Internationalen ARDWettbewerb München. Intensive Konzerttätigkeit. Seit 2013 Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg.

Lorenzo Cossi, Klavier

Geboren 1982 in Triest. Ausbildung in Triest bei Giuliana Gulli und Nino Gardi. 2011 als einer von zehn weltweit ausgewählten Pianisten am Sommerfestival in Santa Barbara, Kalifornien. Finalist am F. Busoni-Wettbewerb in Bozen und am Internationalen Klavierwettbewerb «Esther Honens» in Calgary, Kanada.

Programm

Felix Mendelssohn (1809–1847)

Sonate F-Dur für Violine und Klavier

Robert Schumann (1810–1856)

Intermezzo aus der FAE-Sonate

Johannes Brahms (1833–1897)

Scherzo aus der FAE-Sonate

Robert Schumann (1810–1856)

Grosse Sonate d-moll für Violine und Klavier op. 121

Ticketreservation

Walterswil

Eine Quelle mit Heilwirkung, entdeckt um 1520, war Anlass für den aus Baar stammenden Abt Peter Schmid, das Gut Walterswil für sein Zisterzienserkloster Wettingen zu erwerben. 1692 bis 1698 wurden eine Kapelle und das noch bestehende, palastähnliche «Wettingerhaus» als Erholungs- und Badhaus für die Wettinger Mönche neu errichtet. Das Gut gelangte um 1750 in Privatbesitz und wurde 1900–1902 zum «Kinderasyl Walterswil» umgestaltet. In diesem Zusammenhang entstand auch die heutige Kirche, deren Formensprache die innerschweizerische Barocktradition aufnimmt. Altäre und Kanzel wurden aus der alten Kapelle übernommen und sind Werke des Badener Bildhauers Caspar Dorer. Heute ist an diesem Ort der Campus Zug der 1961 gegründeten «International School of Zug and Lucerne» untergebracht. Über 800 Kinder und Jugendliche aus über 50 Nationen absolvieren hier die Primar- und Mittelstufe vom Vorkindergarten bis zum 14. Altersjahr, während die Oberstufe im Campus Riverside in Hünenberg untergebracht ist. Konzertort ist das Gebäude «Baarburg», das 2010 eröffnet wurde und durch seine transparente Formensprache besticht.

Anfahrt

Adresse: Walterswil 1, Baar. ÖV: Bus Linie 31 ab Bahnhof Baar, Haltestelle Baar Walterswil, von dort etwa 400 m Fussweg. PW: entweder am Ende der Autobahn 4a rechts abbiegen und sofort danach links abbiegen in die Walterswilerstrasse; oder von Baar her die Sihlbruggstrasse nehmen und vor der Einmündung in die Autobahnausfahrt rechts abbiegen. Parkplätze vorhanden.

Esther Hoppe, Lorenzo Cossi

Kammermusikfestivals und Meisterkurse in ganz Europa sind nicht nur ein Fest für das Publikum und ein Ansporn für den Nachwuchs, sondern auch Orte der Begegnung und des bereichernden Austauschs unter den Musikerinnen und Musikern. Als die Geigerin Esther Hoppe vor zwei Jahren in Österreich einen Meisterkurs gab, war da ein italienischer Pianist, der als Korrepetitor mit seiner wohltuenden Zurückhaltung, seiner Unkompliziertheit, seiner Leichtigkeit und seiner phänomenalen Musikalität alle verblüffte und begeisterte: Lorenzo Cossi aus Triest. Im darauf folgenden Jahr, am gleichen Meisterkurs, kam es dann im Rahmen eines Dozentenkonzerts zur erstmaligen Zusammenarbeit der beiden, und seither ist daraus eine fruchtbare musikalische Freundschaft geworden.

Unerhört

Es war eine kleine Sensation, als 1953 ein New Yorker Verlag eine 1838 geschaffene Violinsonate von Felix Mendelssohn (1809–1847) herausgab. Mehr als hundert Jahre nach dem Tod des Komponisten wurde die Geigenwelt mit einem brillant geschriebenen, äusserst wirkungsvollen Werk konfrontiert, von dem sie nicht die leiseste Ahnung gehabt hatte, weil es von Mendelssohn – wie so viele seiner reifen Werke, darunter die Italienische Sinfonie – nicht zum Druck freigegeben worden war. Das Manuskript war in Vergessenheit geraten, bis kein Geringerer als Yehudi Menuhin es wieder entdeckte.

Ganz ähnlich ging es mit der so genannten FAE-Sonate. F.A.E. – Frei, aber einsam. So lautete das Lebensmotto des Geigers Joseph Joachim (1831–1907). Als er im Oktober 1853 für zwei Konzerte nach Düsseldorf kam, beschlossen seine Freunde Albert Dietrich, Johannes Brahms und Robert Schumann, ihn mit einer gemeinsam komponierten und ihm gewidmeten Sonate zu überraschen – eines der berühmtesten Zeugnisse für den Freundschaftskult der Romantik. Die Grundlage des viersätzigen Werkes – Dietrich schrieb den ersten Satz, Schumann den zweiten und vierten und Brahms den dritten – bildete ein musikalisches Motto mit der Dreitonfolge F, A und E. Schumanns Andante ist ein Lied ohne Worte, in dem sich die beiden Instrumente aufs Innigste ineinander verweben, während das Scherzo von Brahms wild-gespenstische Töne anschlägt und ausdrücklich auf E.T.A. Hoffmanns Romanfigur des Kapellmeisters Johannes Kreisler hinweist. Das Brahms-Scherzo wurde 1906 veröffentlicht, 53 Jahre nach der Entstehung! Und erst 1935 erschien das ganze Werk im Druck. Auch heute noch ist es in den Konzertsälen eine Rarität.

Im einen der beiden Konzerte, die der von seinen Freunden so wunderbar empfangene Joseph Joachim im Oktober 1853 in Düsseldorf gab, brachte er zusammen mit Clara Schumann die Grosse Violinsonate op. 121 von Robert Schumann (1810–1856) zur öffentlichen Uraufführung. Das viersätzige Werk ist höchst virtuos und erreicht fast sinfonische Dimensionen. Es strotzt nur so vor Kraft, entfaltet im Andante einen Klangzauber, der diesen Satz zu einer Perle romantischer Kammermusik macht, und endet in strahlendem D-Dur. Komponiert hat es Schumann innert weniger Tage Ende Oktober/Anfang November 1851, nur wenige Wochen nach Fertigstellung seiner ersten Violinsonate. Zu Wilhelm Joseph von Wasielewski, dem damaligen Konzertmeister des Düsseldorfer Orchesters, soll Schumann lächelnd gesagt haben, die erste Violinsonate habe ihm nicht gefallen; «da habe ich denn noch eine zweite gemacht, die hoffentlich besser gerathen ist». Welch überschäumende Schaffenskraft!

Einführung zum Konzertort

Georg Frey
dipl. Architekt ETH, ehem. kantonaler Denkmalpfleger Zug

Catering

Colicchio Vini Zug

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