OBERÄGERI
Zentrum Ländli
SONNTAG, 29. JULI 2018, 17.00 UHR
«Wassermusik»
ANDREA BROWN, BENJAMIN ENGELI

Andrea Brown, Sopran

Geboren in Wilmington, Delaware USA. Ausbildung in den USA. 2002 Stipendiatin an der Sommerakademie des Mozarteum Salzburg. Zweiter Preis beim ARD-Musikwettbewerb 2003. Ausgedehnte Tätigkeit als Opern- und Konzertsängerin in Europa und den USA. Bereits zum 5. Mal an den Sommerklängen!

Benjamin Engeli, Klavier

Geboren 1978. Ausbildung bei Adrian Oetiker, Homero Francesch, Lazar Berman, Andrzej Jasinski, Maurizio Pollini und Andràs Schiff. Mit dem Tecchler Trio 2007 Erstpreisträger des ARD-Musikwettbewerbs. Mitglied des Gershwin Piano Quartet. Seit 2013 Professur am Landeskonservatorium Feldkirch.

Programm

Franz Schubert (1797–1828)

Am See – Der Fischer – Auf dem Wasser zu singen – Das Fischermädchen – Erlafsee – Der Jüngling an der Quelle – Des Fischers Liebesglück – Fischerweise – Am Meer

Claude Debussy (1862–1918)

Reflets dans l’eau für Klavier solo

Ottorino Respighi (1879–1936)

Acqua – In alto mare – Nel giardino

Franz Liszt (1811–1886)

Au bord d’une source für Klavier solo
Die Loreley für Sopran und Klavier

Gioachino Rossini (1792–1868)

La regata veneziana

Ticketreservation

Zentrum Ländli

Die norddeutsche Protestantin Minna Popken (1866–1939), eine selbstständige, geschiedene Frau aus städtischem Milieu, kam 1904, nachdem sie das Medizinstudium in Zürich abgebrochen hatte, ins ländliche Ägerital und baute im katholisch- konservativen Oberägeri einen streng evangelisch ausgerichteten Kurbetrieb auf, um ihre Ideen des leiblich-geistigen Heilens auf biblischer Grundlage zu verwirklichen. Im Ländli, einem Bauernhof mit angegliederter Wirtschaft am See, fand sie den geeigneten Standort für den Bau einer grösseren, 1911 eröffneten Kuranstalt. Der Verkäufer des Ländli war Popkens erster Ägerer Patient gewesen. 1925 Übergang an den reformierten, von Wilhelmine Pohlmeier geleiteten Diakonieverband Wartburg am Bodensee, den schweizerischen Ableger des deutschen Diakonieverbands Marburg. 1934 Namensänderung in «Diakonieverband Ländli in Oberägeri». 1933–1936 grosszügiger Ausbau des Kurhauses. 1946–1949 Bau des Diakonissen-Mutterhauses und der Kirche. Die gut in die Landschaft eingefügten Bauten sind mit Schindeln verkleidet und bestehen trotz ihrer imponierenden Grösse ausschliesslich aus Holz. 2016 wurde der Kurbetrieb eingestellt.

Anfahrt

Adresse: im Ländli 16, Oberägeri. Am Ägerisee an der Hauptstrasse Oberägeri-Morgarten, ca. 1,5 km nach Oberägeri. ÖV: ab Oberägeri Bus Linie 9, Haltestelle Ländli; Rückfahrt wird vor Ort organisiert. Parkplätze vorhanden.

Andrea Brown, Benjamin Engeli

Madeleine Nussbaumer, die künstlerische Leiterin des Festivals Sommerklänge, über die amerikanische Sopranistin Andrea Brown: «Dank ihrer beeindruckenden stimmlichen Reife und ihres Temperaments ist sie imstande, die musikalische Essenz eines Werks mit sängerischen und darstellerischen Mitteln für das Publikum ganz selbstverständlich hörbar und sichtbar zu machen. Dazu kommt ein berührend warmherziges, natürliches Wesen ohne jede Allüre.» Schon bei ihrem Debüt in der Schweiz, 2004 beim Festival «Young Artists in Concert» in Davos, spielte Andrea mit dem Pianisten Benjamin Engeli und dem damaligen Tecchler Trio zusammen. Der Kontakt ist nie abgebrochen. Benjamin Engeli gehört zu den besten Schweizer Pianisten seiner Generation und ist ein wunderbarer Kammermusiker und gefragter Liedbegleiter.

Wassermusik

Das Ländli am Ägerisee: Als die Sopranistin Andrea Brown und der Pianist Benjamin Engeli zum ersten Mal davon hörten, wo ihr Konzert stattfinden würde, war für sie sofort klar, welches das Thema dieses Konzerts sein sollte: das Wasser, dieses zentrale Lebenselement, das in der Musik so viele Spuren hinterlassen hat.

Der erste Programmteil ist ausschliesslich Franz Schubert (1797–1827) gewidmet, diesem begnadeten Liedermacher, der in seinem kurzen Leben um die 600 dieser kleinen Kostbarkeiten geschaffen hat. Im Ländli beginnen wir selbstverständlich «Am See». «Der Fischer» und «Das Fischermädchen» treten auf. Wir hören vom Jüngling an der Quelle und vom Liebesglück des Fischers. Das berühmte «Auf dem Wasser zu singen» darf nicht fehlen. Und ganz zum Schluss weitet sich das Ägerital zumindest in unserer Vorstellung: Wir sind jetzt «Am Meer». Zwei Solostücke für Klavier steuern neue Klangfarben bei: Die zauberhaften «Reflets dans l’eau» von Claude Debussy (1862–1918) sind ein impressionistisches Gemälde, in dem das Spiel von Lichtreflexen und bewegter Wasseroberfläche fast körperlich erlebbar wird. «Au bord d'une source» von Franz Liszt (1811–1886) ist demgegenüber ein Paradebeispiel für pianistische Virtuosität. Als Liedschöpfer ist Liszt mit der 1841 geschaffenen «Loreley » nach Heinrich Heine vertreten. Obwohl es eine seiner ersten Liedkompositionen war, ist ihm mit einfühlsamer Melodik und tonmalerischen Szenen- und Stimmungswechseln eine grossartige musikalisch-poetische Ausdeutung des Gedichts gelungen. Ottorino Respighi (1879–1936) wird oft als Komponist etikettiert, der vor allem aus der italienischen Musik des Barock und der Renaissance schöpfte, sei es, dass er selber «in stile antico» schrieb, sei es, dass er die alte Musik in ein neues Klanggewand goss. Drei Kostproben aus seinem aparten Liedschaffen mögen zeigen, wie sehr er der menschlichen Stimme verfallen war und wie viel ihm, dem Melancholiker, das Lied als Ausdrucksmittel bedeutete.

Den humor- und temperamentvollen Schluss liefert Gioachino Rossini (1792–1868), der berühmte Opernkomponist. In seinen «Alterssünden» findet sich das herrliche Triptychon «La regata veneziana», inspiriert durch den venezianischen Dialekt und durch den typischsten aller Venezianer Gebräuche, den Ruderwettstreit, der hier von der Geliebten eines Ruderers kommentiert wird: Vor dem Start fordert Anzoleta oder Angelina ihren Gondoliere Momolo resolut zum Sieg auf, während des Wettkampfs fiebert sie mit ihm, und schliesslich empfängt sie den Sieger am Ziel mit ihren Küssen. Die drei Stücke entstanden wahrscheinlich um 1858.

Einführung zum Konzertort

Renato Morosoli
Dr. phil., Historiker, Hauptautor einer zweibändigen Geschichte des Ägeritals

Catering

Zentrum Ländli

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