hünenberg
Gutsbetrieb chamau
SONNTAG, 14. JULI 2019, 17.00 UHR
«Dunkle Zeiten»
Hoppe / Poltéra / Beatson

Esther Hoppe, Violine

Geboren in Zug. Studien in Basel, Philadelphia (Curtis Institute of Music), London und Zürich. 1. Preise am Internationalen Mozart-Wettbewerb Salzburg und am Internationalen ARD-Wettbewerb München. Intensive Konzerttätigkeit. Seit 2013 Professorin an der Universität Mozarteum Salzburg.

Christian Poltéra, Violoncello

Geboren 1977 in Zürich. Studium bei Heinrich Schiff in Salzburg und Wien. Konzertiert weltweit als Solist und Kammermusiker. Festes Streichtrio mit Frank Peter Zimmermann und Antoine Tamestit. Spielt das berühmte Violoncello «Mara» von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1711.

Alasdair Beatson, Klavier

Geboren in Schottland. Wohnt in London. Weltweite Konzerttätigkeit als Solist und als äusserst feinfühliger und vielseitig interessierter Kammermusiker. Gründer und künstlerischer Leiter des französischen Kammermusikfestivals «Musique à Barsac». Seit 2019 künstlerischer Leiter des Musikdorfs Ernen.

Programm

Joseph Haydn (1732–1809)

Trio d-Moll Hob. XV:23

Leoš Janáček (1854–1928)

Sonate für Violine und Klavier

Claude Debussy (1862–1918)

Sonate d-Moll für Violoncello und Klavier

Antonín Dvořák (1841–1904)

Trio in f-Moll op. 65

Ticketreservation

Gutsbetrieb Chamau

Die hünenbergische Chamau umfasst mehrere alte Höfe im Schwemmland zwischen der Reuss und den östlich angrenzenden Waldgebieten. Der Name könnte darauf hindeuten, dass die Chamau zum fränkischen Königshof Cham gehörte und 858 wohl mit diesem in den Besitz des Zürcher Fraumünsters kam. Der Hof Untere Chamau wurde 1948 durch die Schweizerische Eidgenossenschaft erworben und der ETH Zürich zur Errichtung eines Lehr- und Versuchsgutes für Tierzucht übertragen. 2013 bewilligte der Zuger Kantonsrat den Ankauf der nicht mehr benötigten Versuchsstation. 2017 stellte die ETH den dortigen Betrieb ein. Die Chamau wurde ins Landwirtschaftliche Bildungs- und Beratungszentrum Schluechthof integriert. 100 Jahre früher hatte der Zuger Kantonsrat einen ersten Pflock für die bäuerliche Fachausbildung eingeschlagen und beschlossen, eine kantonale landwirtschaftliche Winterschule einzurichten. Der erste Winterkurs wurde im Verwaltungsgebäude am Zuger Postplatz abgehalten, selbstverständlich ohne Internat und ohne interne Verpflegungsmöglichkeit, von einem eigenen Gutsbetrieb ganz zu schweigen.

Anfahrt

Adresse: Chamau 5, Hünenberg. Von Cham her kommend auf der Sinserstrasse ausgangs Herrenwald nach 300 m scharf rechts abbiegen; nach gut 600 m links abzweigen Richtung Chamau. Parkplätze vorhanden. Kein ÖV. Shuttledienst ab Bahnhof Cham ab 15.30 Uhr (bitte unbedingt reservieren!).

Hoppe / Poltéra / Beatson

2012 begeisterten die Geigerin Esther Hoppe und der phänomenale schottische Pianist Alasdair Beatson in der ehemaligen Kosthalle beim Nestlé-Gebäude in Cham mit Werken von Mozart und Strawinsky. 2014 spielten sie das gleiche Programm bei Claves Records auf einer viel beachteten CD ein. Eine weitere CD, in der sie Mozart und Poulenc einander gegenüberstellten, folgte 2017. 2016 – wiederum im Rahmen der Sommerklänge – gaben Esther Hoppe und Christian Poltéra, er mit seinem weltberühmten Mara-Cello von Antonio Stradivari, ein umjubeltes Duokonzert mit Bach, Honegger und Ravel in der Reformierten Kirche Maschwanden. Und nun also vereinigen alle drei ihre Energie, ihre überlegene Beherrschung des Instruments und ihren ganzen Schatz an Klangfarben im gleichen Programm. Welch eine Freude!

Dunkle Zeiten

Dem eröffnenden d-Moll-Klaviertrio von Joseph Haydn (1732–1809), entstanden in seinen glücklichen Londoner Jahren und wie jedes seiner 42 anderen Trios ein geschliffenes Kleinod, stehen im ersten Programmteil zwei singuläre Werke der Duoliteratur gegenüber: die Violinsonate von Leoš Janáček (1854–1928) und die Cellosonate von Claude Debussy (1862–1918), beide sehr zeitnah im Ersten Weltkrieg entstanden.

Janáček entspricht nicht dem üblichen Bild eines Komponisten. Er war als Chorleiter, Musiklehrer und Leiter der Orgelschule in Brünn tätig und befasste sich intensiv mit musikethnologischen Studien. Wo auch immer ihm ein Volkslied begegnete, das nicht Teil seiner Sammlung war, schrieb er es auf oder nahm es mit, um es später zu studieren. Er untersuchte jede Wort-Ton-Verbindung, aber auch die Sprache seiner Mitmenschen, ihre Stimmen, und wie sie sich je nach Gefühlslage veränderten. Diese Erkenntnisse flossen in seine Kompositionen ein. Die Sprachmelodie wurde zum stilbildenden Element in Janáčeks Schaffen. Janáček war schon über sechzigjährig, als ihm mit der Oper Jenufa der späte Durchbruch als Komponist gelang. Die aufwühlende Violinsonate war im Sommer 1914 entstanden, als die russischen Truppen im Zuge des Ersten Weltkriegs in Mähren einmarschierten.

1915, drei Jahre vor seinem Tod und demoralisiert durch den grossen Krieg und seine eigene schwere Krankheit, begann Debussy einen Zyklus von «Six sonates pour divers instruments», die er in bewusster Anlehnung an die französische Sonatenkunst des Barock konzipierte. Nur drei konnte er vollenden, darunter die Cellosonate, in welcher der arme, liebestrunkene Pierrot, eine Figur aus der Commedia dell’arte, versucht, über die kaltherzige Zurückweisung durch seine Geliebte hinwegzukommen. Debussy verehrte die Musik des Barock, vor allem die Werke von Rameau und Couperin, und entwickelte daraus die Maximen des französischen Stils: «Nichts kann entschuldigen, dass wir die Tradition der Werke eines Rameau vergessen haben, die in der Fülle ihrer genialen Einfälle einzigartig ist.»

Fast schon symphonische Ausmasse hat das f-Moll-Klaviertrio von Antonín Dvořák (1841–1904), eines der dramatischsten, gelungensten und persönlichsten Kammermusikwerke des Komponisten. Entstanden ist es in einer für Dvořák düsteren Zeit, unter anderem geprägt von monatelanger Depression nach dem Tod seiner geliebten Mutter im Dezember 1882. Auch wollte sich Dvořák aus der Zwangsrolle eines böhmischen Volksmusikers befreien. Er wandte sich von seiner slawischen Phase ab und dem grossen Vorbild Brahms zu. Tatsächlich erinnert das f-Moll-Trio an die Klavierquartette oder an das f-Moll Klavierquintett von Brahms. Die tschechische Volksmusik ist immer noch deutlich hörbar, jedoch nicht mehr im Vordergrund, sondern mehr als nationale Färbung. An der betörenden Klangschönheit hat sich nichts geändert.

Einführung zum Konzertort

Martin Pfister
dipl. Ing. Agr. ETH, Rektor des Landwirtschaftlichen Bildungs- und Beratungszentrums Schluechthof Cham

Aperitivo

Colicchio Vini Zug

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