steinhausen
gemeindesaal dreiklang
SONNTAG, 28. JULI 2019, 17.00 UHR
«herzzerreissend»
auryn quartett

Matthias Lingenfelder, Violine

Geboren 1959. Ausbildung bei Max Rostal und Gerard Poulet. 1981 Gründer des Auryn Quartett. Weitere Studien beim Guarneri und Amadeus Quartett. Seit 2003 Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Detmold. Spielt eine Stradivari von 1722, die Joseph Joachim gehörte.

Jens Oppermann, Violine

Geboren 1960 in Hamburg. Ausbildung in Hamburg, Lübeck, Paris und Prag. 1981 Gründungsmitglied des Auryn Quartett. Seit 2003 Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Detmold. Spielt die Petrus Guarneri, die früher beim Amadeus Quartett zu hören war.

Stewart Eaton, Viola

Geboren in Aylesbury, Grossbritannien. Ausbildung in London, Florenz und Aachen. 1981 Gründungsmitglied des Auryn Quartett. Seit 2003 Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Detmold. Spielt eine Amati von 1616, die früher beim Koeckert Quartett zu hören war.

Andreas Arndt, Violoncello

Geboren in Heidelberg. Ausbildung in Heidelberg-Mannheim, Berlin und Düsseldorf. 1981 Gründungsmitglied des Auryn Quartett. Seit 2003 Professor für Kammermusik an der Musikhochschule Detmold. Spielt ein Violoncello von Nicolò Amati aus Paul Hindemiths Amar-Quartett.

Programm

Franz Schubert (1797–1828)

Streichquartett a-Moll D 804 op. 29 «Rosamunde»

Franz Schubert (1797–1828)

Streichquartett d-Moll D 810 «Der Tod und das Mädchen»

Ticketreservation

Gemeindesaal Dreiklang

1850 ist Steinhausen nicht nur räumlich die kleinste Gemeinde des Kantons Zug. 490 Personen leben in den insgesamt 68 Wohnhäusern, alle katholisch, kein einziger Ausländer. Die Landwirtschaft ist der mit Abstand wichtigste Erwerbszweig. Auch im Dorfkern sind Bauernhöfe prägend. Nach 1950 explodiert die Gemeinde. Allein zwischen 1960 und 1980 steigt die Einwohnerzahl von 1621 auf 6082 und liegt heute bei fast 10'000. Als Folge dieser Bevölkerungsexplosion blieb in Steinhausen punkto Siedlungsbild, Bausubstanz, Bevölkerungszusammensetzung und wirtschaftlicher Ausrichtung kaum ein Stein auf dem anderen. Umso wichtiger wurde es, siedlungsplanerisch neue, starke Akzente zu setzen. Einer davon ist die Zentrumsüberbauung «Dreiklang», die als Siegerprojekt aus einem nationalen Architekturwettbewerb hervorging und 2017 eingeweiht wurde. Am Ort, wo noch im 19. Jahrhundert der Dorfbach von der Bahnhofstrasse Richtung Süden abbog, wurden in zwei separaten Gebäuden Ladenräumlichkeiten, Alterswohnungen, ein unterteilbarer, akustisch überzeugender Gemeindesaal und die Bibliothek realisiert.

Anfahrt

Adresse: Bahnhofstrasse 5, Steinhausen, mitten im Zentrum. ÖV: S 5 bis Bahnhof Steinhausen (Distanz Bahnhof bis Dreiklang: 500 Meter); Bus Linien 6 und 36, Haltestelle Steinhausen Zentrum. Parkplätze: Tiefgarage im Haus.

Auryn Quartett

«Tu, was du willst!» Dieser Leitspruch steht in Michael Endes Roman «Die unendliche Geschichte» auf der Rückseite eines magischen Amuletts, das seinem Träger Inspiration verleiht und ihm hilft, den Weg seiner Wünsche zu gehen. Das Auryn – so der Name des Amuletts – wurde 1981 zum Taufpaten für vier junge Musiker, die sich entschlossen hatten, ihren künstlerischen Weg fortan als Streichquartett gemeinsam zu gehen. Schon im darauf folgenden Jahr war das Auryn Quartett beim renommierten ARD-Wettbewerb in München erfolgreich. Seither hat es sukzessive fast die gesamte Quartettliteratur bis in die Moderne hinein erarbeitet, gehört konstant zur Spitzengruppe der internationalen Quartettszene und ist in den über 35 Jahren seines Bestehens ein bemerkenswert junges, waches und für neue Erfahrungen offenes Ensemble geblieben.

Herzzerreissend

Franz Schuberts letzte Streichquartette sind in ihren orchestralen Klangballungen, monumentalen Proportionen und extremen Kontrasten eigentliche kammermusikalische Gegenstücke zur grossen Symphonie. Er  wollte mit ihnen endlich auch als Instrumentalkomponist in Wien Fuss fassen. Der Plan schien mit dem ersten Quartett in a-Moll, dem Rosamunde-Quartett, aufzugehen. Es wurde im März 1824 im Wiener Musikverein uraufgeführt. Die Kritik befand, es sei «als Erstgeburt nicht zu verachten», und der Verlag Sauer & Leidesdorf nahm es als Nr. 1 eines Bandes von «Trois Quatuors Oeuvre 29» ins Programm. Gleichwohl führte dieser erste Schritt nicht zum gewünschten Erfolg. Die Epoche der Salonmusik war angebrochen. Scharen dilettierender Pianisten stürzten sich auf Salon-Piècen, in Schuberts Worten auf «miserable Mode-Ware», während anspruchsvolle Kammermusik liegen blieb. Das Streichquartett geriet in Wien in eine jahrzehntelange Krise. Die Nummern 2 und 3 von Schuberts Opus 29 erschienen nicht im Druck, und das 1826 fertiggestellte d-Moll-Quartett (Der Tod und das Mädchen) erlebte seine öffentliche Erstaufführung in Wien erst 1848!

Das Wesensmerkmal des Rosamunde-Quartetts ist das Liedhafte. Die Themen aller vier Sätze vermitteln das Vertraute und Eingängige des Liedes, seine unmittelbare, nicht durch Kunst verstellte Emotion. Im zweiten und dritten Satz hat Schubert dafür auf vorhandene Liedmelodien zurückgegriffen: im Andante auf die berühmte Schauspielmusik zu Rosamunde und im Menuett auf seine Schiller-Vertonung «Götter Griechenlands». Besonders das melancholisch gebrochene Weltbild dieses Liedes – die Rückschau auf eine verlorene «schöne Zeit» – hatte für Schubert Bekenntnischarakter. Man darf es als Motto des ganzen Quartetts verstehen.

Das alte Bildmotiv eines jungen Mädchens, dem der Tod in Gestalt eines Gerippes unbarmherzig gegenübertritt, hat Matthias Claudius 1775 zu seinem Gedicht «Der Tod und das Mädchen» inspiriert. 1817 nahm der junge Schubert das Thema auf und verlieh ihm die klassische musikalische Fassung in Form seines gleichnamigen Liedes. Und 1824 griff er auf dieses Lied zurück, als er sein d-Moll-Streichquartett begann. Diesem Umstand verdankt es seinen Beinamen, obwohl die Musik des Mädchens darin gar nicht vorkommt. Ausschliesslich um die Musik des Todes in ihrer ganzen erschütternden Breite kreist dieses Werk. Schubert hatte gerade den ersten Schub seiner Todeskrankheit hinter sich, die ihm nur noch vier Jahre Lebenszeit lassen sollte. Vorahnungen seines frühen Sterbens müssen ihn gequält haben, beklemmende Ängste. Schubert sah sich gleichsam in der Rolle des Mädchens aus dem Claudius-Lied. Im ungehemmten Aufruhr der Gefühle, in den ausufernden Formen und den neuen, im wahrsten Sinne des Wortes «unerhörten» Klängen hat dieses Quartett bis zum heutigen Tag nichts von seiner herzzerreissenden Wirkung verloren.

Einführung zum Konzertort

Georg Frey
dipl. Architekt ETH, ehem. kantonaler Denkmalpfleger Zug

Aperitivo

Colicchio Vini Zug

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