Zug
ZEPHYR HANGAR V-ZUG
Sonntag, 5. Juli 2020, 17.00 Uhr
«PhÖNIX AUS DER ASCHE»
Ensemble Chamäleon

Madeleine Nussbaumer, Klavier

Geboren in Zug. Matura. Solistendiplom mit Auszeichnung bei Hubert Harry an der Musikhochschule Luzern. Begeisterte Kammermusikerin. Initiantin des Ensembles Chamäleon und des Festivals Sommerklänge, dessen künstlerische Leitung sie innehat. Lehrtätigkeit.

Tobias Steymans, Violine

Geboren in Deutschland. Abitur. Ausbildung in Köln (Igor Ozim und Zakhar Bron) und Boston USA (Joseph Silverstein). Solistische Konzerttätigkeit. Konzertmeister des Orchesters der Oper Zürich.  Seit 2009 1. Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München.

Nadezhda Korshakova, Violine

Geboren in St. Petersburg. Studien in Moskau (Irina Botschkova), Madrid und Zürich (Zakhar Bron). 2007 Solistendiplom mit Auszeichnung. Gewinnerin des D. Oistrach-Violinwettbewerbs 2004 in Odessa. Mitglied des Orchesters der Oper Zürich. Unterrichtet an der Zürcher Hochschule der Künste.

Alexander Besa, Viola

Geboren 1971 als Spross einer italienisch-tschechischen Musikerfamilie. Studien in Brünn, Gstaad und Basel. Konzerttätigkeit als Solist und begeisterter Kammermusiker. War Solo-Bratschist der Camerata Bern und ist seit 1996 Stimmführer im Luzerner Sinfonieorchester.

Luzius Gartmann, Violoncello

Aufgewachsen in Chur. Matura. Konzertexamen an der Musikhochschule Wien bei André Navarra. Seit 1986 Mitglied des Orchesters der Oper Zürich (heute Philharmonia Zürich). Kammermusikkonzerte (Orion Trio, Ensemble Chamäleon, Avalon Trio) in vielen Musikzentren Europas und Japans.

Programm

Antonín Dvořák (1841–1904)

Bagatellen op. 47 für 2 Violinen, Violoncello und Klavier (Auswahl)

Kelly-Marie Murphy (*1964)

«Give me Phoenix wings to fly» für Klaviertrio

Gustav Mahler (1860–1911)

Klavierquartettsatz a-Moll für Klavier, Violine, Viola und Violoncello

Antonín Dvořák (1841–1904)

Klavierquintett A-Dur Nr. 2 op. 81

Ticketreservation

Zephyr Hangar V-Zug

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird auf dem 80'000 Quadratmeter grossen Werkareal der V-Zug ein hochmodernes neues Stadtquartier entstehen – der Tech Cluster Zug. Die industrielle Produktion wird beibehalten, aber räumlich so verdichtet, dass grosse Flächen für die zusätzliche Stärkung des Werkplatzes Zug, aber auch für Gewerbe und Wohnen frei werden. Ein erster, markanter Akzent in diesem Umwandlungsprozess ist das neue Fabrikationsgebäude der V-Zug – der Zephyr Hangar der Basler Architekten Diener & Diener. Die Krone des Hangars ist ein Holzhallenaufbau mit augenfälligem Sheddach – eine Konstruktion, die vor allem in der klassischen Industriearchitektur bei Gebäuden mit grossen Grundflächen zum Zug kommt. Das Spezielle an der Holzkonstruktion ist die grosse Spannweite von fast 40 Metern und die Hallenlänge von 90 Metern. Der Raumeindruck der jetzt noch fast leeren Halle ist gewaltig, die Akustik dank der Holzbauweise phänomenal. Ein Konzertsaal wie eine Fata Morgana – und doch für kurze Zeit Realität. Danach wird die Halle dem Fabrikationsprozess zur Verfügung stehen: Oberflächenbehandlung von Metallteilen, Werkzeugbau, Werkzeugkonstruktion.

Anfahrt

Die V-Zug AG befindet sich an der Industriestrasse 66. ÖV: S1 und S2, Station Baar Lindenpark; Bus Linie 3 (Haltestelle Kistenfabrik), Linie 4 (Haltestelle V-Zug). Parkplätze beim Zugorama der V-Zug.

Ensemble Chamäleon

1990 hat die Zuger Pianistin Madeleine Nussbaumer das Ensemble Chamäleon ins Leben gerufen. Die Grundidee: ein Klaviertrio, das aber je nach Programm weitere Musikerinnen und Musiker und ihre Klangfarben mit einbezieht. Das Ziel: einem interessierten Publikum den ganzen Reichtum der mit Klavier besetzten Kammermusik näher zu bringen. 2020 kann das Chamäleon sein 30-jähriges Bestehen feiern. Das Verdienst dafür gebührt den drei Hauptbeteiligten: der Initiantin Madeleine Nussbaumer als eigentlicher Seele des Ensembles, dem Geiger Tobias Steymans, der dem Chamäleon auch dann treu blieb, als er 2009 Erster Konzertmeister im weltberühmten Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München wurde, und dem Cellisten Luzius Gartmann, Mitglied des Orchesters am Zürcher Opernhaus.

Phönix aus der Asche

Die Sommerklänge 2020 eröffnen mit zwei kurzen Dvořák-Bagatellen – Hausmusik von allererster Güte, deren Volksliedton ein beglückendes Lebensbehagen ausstrahlt und durch ungesuchte Herzlichkeit bezaubert. Geschrieben hat sie Dvořák für einen Kammermusikzirkel, der in den 1870er Jahren regelmässig in einem Prager Privathaus zusammenkam und in dem auch Dvořák mitspielte. Weil im Haus kein Klavier zur Verfügung stand, wohl aber ein Harmonium, hat Dvořák die Bagatellen mit zwei Violinen, Cello und Harmonium besetzt. Oder, wie er seinem Verleger Simrock schrieb: «Wem Harmonium zu Gebote steht, der soll’s spielen, wem nicht, geht’s mit Piano auch allein.»

Der antike Vogel Phönix, der nach atemberaubend wildem Flug verglüht, um sich dann aus seiner eigenen Asche wieder zu erheben und zu neuem Leben in die Lüfte aufzuschwingen – dieser Mythos hat die kanadische Komponistin Kelly-Marie Murphy schon immer fasziniert: «Es ist ein derart mächtiges Bild, noch dazu relevant für unser modernes Leben, in dem wir uns ständig gefährlich nahe am Rande einer Katastrophe befinden. Egal, wie zerstörend ein Ereignis sein mag, man kann sich davon erholen und von vorne anfangen: ein Neuanfang. Der Erfolg liegt im Versuch und im Glauben daran, dass es möglich ist, nach vorne zu schauen und weiter zu machen.» Wer würde bei solchen Worten nicht an die Corona-Krise denken? Der Titel des mitreissenden, 1997 geschaffenen Werks für Klaviertrio ist übrigens einem Gedicht von John Keats (1795–1821) entnommen: «But when I am consumed in the fire, give me new Phoenix wings to fly at my desire.»

Dass der Sinfoniker Mahler überhaupt Kammermusik geschrieben hat, war schon zu seinen Lebzeiten kaum bekannt. Das meiste ging durch seinen leichtsinnigen Umgang mit den Jugendwerken verloren. Laut Mahler selbst soll das beste davon ein Klavierquartett gewesen sein, welches am Schluss der vierjährigen Konservatoriumszeit, also 1878, entstand und sehr gefiel. Einzig erhalten geblieben ist ein einzelner Allegrosatz zu einem Klavierquartett in a-Moll, geschrieben 1876. Das Werk ist ein einzigartiges Dokument für Mahlers kammermusikalischen Stil und für die Hochbegabung des damals Sechzehnjährigen.

Die Entstehung von Dvořáks grossartigem zweiten Klavierquintett verdanken wir einer glücklichen Fügung. Eigentlich wollte der Komponist 1887 nur sein frühes erstes Klavierquintett von 1872 überarbeiten. Aber mitten in den umfangreichen Streichungs- und Korrekturarbeiten brach er die Übung ab und schuf ein völlig neues Werk in gleicher Besetzung und Tonart. Es zeigt Dvořák auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft: überreiche melodische Erfindung, üppiger Klang, Volkstümlichkeit neben Pathos und dazu eine vollkommene Beherrschung der musikalischen Formen und Ausdrucksmöglichkeiten. Das Quintett wurde im Januar 1888 in Prag uraufgeführt. Die englische Erstaufführung in London vier Monate später verhalf ihm sofort zum internationalen Durchbruch.

Einführung zum Konzertort

Michael Roth
Architekt BSA SIA, Partner im Büro Diener & Diener

Aperitivo

Colicchio Vini, Zug

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