ZUG
ZEPHYR HANGAR V-ZUG
Sonntag, 19. JULI 2020, 17.00 UHR
«WINTERREISE»
IAN BOSTRIDGE & Julius DRAKE

Ian Bostridge, Tenor

Geboren 1964 in London. Er begann seine Sänger-Karriere erst 1991. Vorher studierte er Geschichte und Philosophie in Cambridge und Oxford, wo er 1990 zum Thema Hexerei promovierte. Ian Bostridge gilt als einer der grössten Liedsänger unserer Zeit. Zahlreiche preisgekrönte Einspielungen. Buchautor.

Julius Drake, Klavier

Geboren in London. Studierte an der Purcell School und am Royal College of Music. Internationale Karriere als Kammermusiker und gefeierter Liedbegleiter in der Nachfolge von Gerald Moore. Umfangreiche Diskographie. Künstlerischer Leiter des Machynlleth Festival in Wales. Seit 2010 Professor an der Kunstuniversität Graz.

Programm

Franz Schubert (1797–1828)

Winterreise op. 89 D 911

Ticketreservation

Zephyr Hangar V-Zug

In den kommenden Jahren und Jahrzehnten wird auf dem 80'000 Quadratmeter grossen Werkareal der V-Zug ein hochmodernes neues Stadtquartier entstehen – der Tech Cluster Zug. Die industrielle Produktion wird beibehalten, aber räumlich so verdichtet, dass grosse Flächen für die zusätzliche Stärkung des Werkplatzes Zug, aber auch für Gewerbe und Wohnen frei werden. Ein erster, markanter Akzent in diesem Umwandlungsprozess ist das neue Fabrikationsgebäude der V-Zug – der Zephyr Hangar der Basler Architekten Diener & Diener. Die Krone des Hangars ist ein Holzhallenaufbau mit augenfälligem Sheddach – eine Konstruktion, die vor allem in der klassischen Industriearchitektur bei Gebäuden mit grossen Grundflächen zum Zug kommt. Das Spezielle an der Holzkonstruktion ist die grosse Spannweite von fast 40 Metern und die Hallenlänge von 90 Metern. Der Raumeindruck der jetzt noch fast leeren Halle ist gewaltig, die Akustik dank der Holzbauweise phänomenal. Ein Konzertsaal wie eine Fata Morgana – und doch für kurze Zeit Realität. Danach wird die Halle dem Fabrikationsprozess zur Verfügung stehen: Oberflächenbehandlung von Metallteilen, Werkzeugbau, Werkzeugkonstruktion.

Anfahrt

Die V-Zug AG befindet sich an der Industriestrasse 66. ÖV: S1 und S2, Station Baar Lindenpark; Bus Linie 3 (Haltestelle Kistenfabrik), Linie 4 (Haltestelle V-Zug). Parkplätze beim Zugorama der V-Zug.

Ian Bostridge & Julius Drake

Er ist ein Geschichtenerzähler und Sänger-Schauspieler par excellence, mit einer immensen Bandbreite emotionaler Ausdruckskraft.» So charakterisierte der Evening Standard den grossartigen britischen Tenor Ian Bostridge. Ein Sänger wie geschaffen für Schuberts Winterreise, «die ich vielleicht öfter als jedes andere Stück meines Repertoires aufgeführt habe, die ich immer wieder versuche auf neue Weise zu singen, dem Publikum zu präsentieren und selbst zu verstehen.» Bostridge betont, wie sehr dieses Stück eine ganz spezielle Einheit zwischen dem Sänger und dem Pianisten erfordere, und fährt fort: «Julius Drake, mit dem ich den Zyklus verfilmt und davor und danach zahllose Male aufgeführt habe, war der wunderbarste Begleiter auf dieser Reise aller Reisen, ein weiser Freund und herausragender Musiker.»

Die Reise aller Reisen

«Die schöne Müllerin» von 1823 und «Die Winterreise» von 1827, die zwei grossen Liederzyklen von Franz Schubert, mit denen er den Gipfel romantischer Liedkunst erreichte, beruhen beide auf Gedichten von Wilhelm Müller (1794–1827), nur zwei Jahre älter als Schubert und ebenfalls sehr jung verstorben. Müller stammte aus Dessau (Sachsen-Anhalt), studierte in Berlin, nahm 1813 als Freiwilliger an den Befreiungskriegen gegen Napoleon teil und brachte es schnell zu literarischem Ansehen, einerseits durch gesellschaftskritische Volks- und Studentenlieder und andererseits durch die «Lieder der Griechen», mit denen er sich für den Unabhängigkeitskampf der Griechen einsetzte (Beiname «Griechen-Müller»). Müller und Schubert sind sich nie begegnet. Es gibt auch keinerlei Hinweise, dass Müller je etwas von Schuberts Vertonungen seiner Gedichte erfahren hätte.

Die 24 Lieder der Winterreise wirken auf uns, als sei der ganze Zyklus in einem Guss entstanden. Dem war aber nicht so. Schubert vertonte im Februar 1827 die ersten zwölf Lieder, ohne überhaupt an eine Fortsetzung zu denken. Denn seine literarische Quelle war das Urania-Taschenbuch auf das Jahr 1823, in dem diese Gedichte unter dem Titel «Wanderlieder von Wilhelm Müller. Die Winterreise. In 12 Liedern» erschienen waren. Erst Monate später stiess Schubert auf die vollständige Fassung des Zyklus. Diese 1824 in Dessau publizierte Ausgabe enthielt neben den zwölf alten zwölf neue Gedichte und veränderte zudem die Reihenfolge. Schubert schenkte dieser Neuordnung aber keine Beachtung, sondern vertonte im Oktober 1827 die zwölf neuen Gedichte quasi als Zweite Abteilung.

Müllers seelenverwandte Gedichte forderten Schuberts musikalisches Genie zu einer Höchstleistung heraus. Als er seine Freunde einlud, um ihnen «einen Zyklus schauerlicher Lieder» – die eben fertiggestellte Winterreise – vorzusingen, fügte er bei: «Sie haben mich mehr angegriffen, als dieses bei anderen Liedern der Fall war.» Aber er hielt auch fest: «Mir gefallen diese Lieder mehr als alle.»

Die Winterreise, diese Reise aller Reisen: ein riesiges, unergründliches Seelengemälde, dessen geheimnisvolle Schönheit uns unwiderstehlich von der ersten bis zur letzten Note in seinen Bann zieht, fortwährend das Unaussprechliche streift und tief zu Herzen geht. Das Ganze ist wie von einem dunklen, untergründigen Strom der Schwermut durchzogen. Das Dunkle, Düstere ist jedoch in sich so vielfältig schattiert, in so viele verschiedene Nuancen des Hell-Dunkels abgetönt, dass sich nirgends auch nur ein Hauch von ermüdender Monotonie einstellt. Der Hörer meint, in einer nächtlichen Traumwelt zu wandeln, in der sein Auge, sobald es sich gewöhnt hat, die Grade des Dunkels wie Licht und Schatten unterscheiden lernt.

Aperitivo

Colicchio Vini, Zug

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