OBERÄGERI
Gemeindesaal Maienmatt
SONNTAG, 4. JULI 2021, 17.00 UHR
«Lebenslinien»
Ensemble Chamäleon

Madeleine Nussbaumer, Klavier

Geboren in Zug. Matura. Solistendiplom mit Auszeichnung bei Hubert Harry an der Musikhochschule Luzern. Begeisterte Kammermusikerin. Initiantin des Ensembles Chamäleon und des Festivals Sommerklänge, dessen künstlerische Leitung sie innehat. Lehrtätigkeit.

Tobias Steymans, Violine

Geboren in Deutschland. Abitur. Ausbildung in Köln (Igor Ozim und Zakhar Bron) und Boston USA (Joseph Silverstein). Solistische Konzerttätigkeit. Konzertmeister des Orchesters der Oper Zürich.  Seit 2009 1. Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München.

Natalia Mosca, Viola

Geboren in Novosibirsk (Russland). Ausbildung in Novosibirsk bei Youri Maztschenko und an der Musikhochschule Basel bei Hatto Beyerle. Solistendiplom. Seit 2006 Bratschistin im Orchester der Oper Zürich (Philharmonia Zürich).

Luzius Gartmann, Violoncello

Aufgewachsen in Chur. Matura. Konzertexamen an der Musikhochschule Wien bei André Navarra. Seit 1986 Mitglied des Orchesters der Oper Zürich (heute Philharmonia Zürich). Kammermusikkonzerte (Orion Trio, Ensemble Chamäleon, Avalon Trio) in vielen Musikzentren Europas und Japans.

Programm

Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791)

Klaviertrio B-Dur KV 502 (1786)

Joaquín Turina (1882–1949)

Klavierquartett a-Moll op. 67 (1931)

Johannes Brahms (1833–1897)

Klavierquartett c-Moll op. 60 (1855/1873–75)

Ticketreservation

Anfahrt

Adresse Maienmatt: Alosenstrasse 6, Oberägeri; ÖV: Buslinie 1 ab Zug / Bahnhof bis Oberägeri Station; zu Fuss etwa 500 Meter bis zur Pfarrkirche und Alosenstrasse. Mit Auto: Von Zug her kommend bei der Pfarrkirche nach links abbiegen in die Alosenstrasse; Ziel nach 150 Metern auf der rechten Seite; Parkplätze direkt bei der Maienmatt.

Ensemble Chamäleon

1990 hat die Zuger Pianistin Madeleine Nussbaumer das Ensemble Chamäleon ins Leben gerufen. Die Grundidee: ein festes Klaviertrio, das aber je nach Programm weitere Musikerinnen und Musiker und ihre Klangfarben mit einbezieht – dieses Jahr zum Beispiel die russische Bratschistin Natalia Mosca. Das Ziel: einem interessierten Publikum den ganzen Reichtum der mit Klavier besetzten Kammermusik von der Klassik bis zu zeitgenössischen Kompositionen näher zu bringen. 2020 konnte das Chamäleon sein 30-jähriges Bestehen feiern. Seit 2004 ist der Geiger Tobias Steymans dabei, damals noch Konzertmeister am Zürcher Opernhaus, seit 2009 Erster Konzertmeister im weltberühmten Sinfonieorchester des Bayerischen Rundfunks in München. Es spricht für ihn, aber auch für das Chamäleon, dass er dem Ensemble trotz der weiten Wege die Treue hält.

Lebenslinien

Am 15. November 1786 starb Mozarts drittes Kind im Alter von wenigen Wochen. Am Tag nach dem Begräbnis, am 18. November, beendet Mozart das vielleicht sonnigste seiner Klaviertrios. Das «Terzett für Klavier, Violin und Violoncell», wie er es in seinem eigenhändigen Werkverzeichnis nennt, ist vom ersten Takt an in ein mildes Licht getaucht. Diese Stimmung gibt den Grundton für das ganze Werk. Nicht, dass es an wehmütigen Trübungen und erschütternden Ahnungen fehlte – welches Mozartsche Werk entbehrte dieser Züge? –, aber mehr noch als sonst bleiben diese Momente ohne Folgen, die Wolken zerfliessen spurlos, und der Himmel behält seine reine, herbstlich-kräftige Farbe. Es bleibt ein geheimnisvolles Phänomen, wie die Tragik von Mozarts «wirklichem» Leben – die immer bedrohlicher werdenden wirtschaftlichen Schwierigkeiten und damit verbunden der Niedergang seiner bürgerlichen Existenz – fast unbegreiflich fern von jener Welt lagen, in die Mozart sich anscheinend mühelos erheben konnte und in der er mit jedem neuen Werk immer heimischer wurde.

Joaquin Turina wurde in Sevilla im südspanischen Andalusien geboren. Nach Studien in Sevilla und Madrid zog er 1905 nach Paris, um seine Ausbildung bei Vincent D’Indy fortzusetzen. Zum dramatischen Wendepunkt in seiner Karriere wurde die Erstaufführung seines Opus 1, eines monumentalen Klavierquintetts ganz im Stile von César Franck. Nach der Uraufführung rieten ihm die beiden befreundeten spanischen Komponisten Isaac Albeniz und Manuel de Falla, nie mehr solche Musik zu schreiben, sondern seine Ideen radikal aus der Charakteristik der heimatlichen andalusischen Volksmusik zu schöpfen. Turina befolgte den Rat und entwickelte in der Folge seinen ganz eigenen andalusischen Stil. Das 1933 entstandene Klavierquartett a-Moll op. 67 ist für dieses Bestreben das vielleicht vollendetste Beispiel: bei aller Prägnanz und souveränen Beherrschung der Mittel bleibt es schlicht und schön und beglückt durch mediterrane Eloquenz und noble Sinnenfreude.

Das dritte Klavierquartett in c-Moll von Johannes Brahms ist von tiefem Ernst und erschütternder, auswegloser Verzweiflung geprägt. Begonnen hat er die Niederschrift 1855 im Alter von 22 Jahren; die endgültige Fassung wurde indes erst 1875 veröffentlicht. Das lange Zögern, Überarbeiten, Verwerfen und Neuschaffen hing auch mit dem stark persönlich gefärbten Hintergrund des Werks zusammen, hat Brahms doch in ihm die verzweifelte, von Selbstmordgedanken begleitete Werther-Stimmung seiner unerfüllten Liebe zur verheirateten und deshalb unerreichbaren Clara Schumann verarbeitet. In einem Brief an den Verleger Simrock wurde Brahms sehr deutlich: «Ausserdem dürfen Sie auf dem Titelblatt ein Bild anbringen, nämlich einen Kopf – mit der Pistole davor. Nun können Sie sich einen Begriff von der Musik machen! Ich werde Ihnen zu dem Zweck meine Photographie schicken!»

 

Aperitivo

Colicchio Vini, Zug

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