BAAR
Ehem. Wasserreservoir Oberallmig*
SONNTAG, 11. JULI 2021, 11.00 UHR UND 17.00 UHR
«Unterweltlich»
TRIO COLORES

*Publikumsbeschränkung: maximal je 100 Personen

Matthias Kessler, Schlagwerk

Gebürtiger Vorarlberger mit Jahrgang 1997. Studium an der Zürcher Hochschule der Künste. Seit September 2019 Stipendiat der Karajan-Akademie der Berliner Philharmoniker. Solis-
tische Auftritte mit dem Ensemble Plus des Landesorchester Vorarlbergs und der Sinfonietta Lucerne.

Luca Staffelbach, Schlagwerk

Gebürtiger Luzerner mit Jahrgang 1996. Master-Studium an der Zürcher Hochschule der Künste (klassisches Schlagwerk). Fasziniert vom Privileg, dass das Schlagzeug in so vielen kulturellen Sparten in einer so grossen Mannigfaltigkeit an Musikrichtungen und Musikformen vertreten ist.

Fabian Ziegler, Schlagwerk

Gebürtiger Thurgauer mit Jahrgang 1995. Studium an der Zürcher Hochschule der Künste. 2019 Master of Arts (Performance Solist). Young Artist beim renommierten Davos Festival. 2021/2022 u.a. Kooperationen mit dem Christchurch Symphony Orchestra, dem Orchestra Wellington und der Zürcher Singakademie.

Programm

Arvo Pärt (*1935)

Spiegel im Spiegel

John Cage (1912–1992)

Quartet for Percussion, 1. Satz

Samuel Barber (1910–1981)

Adagio for Strings (Bearbeitung Colores Trio)

John Cage

Quartet for Percussion, 2. Satz

Russell Peck (1945–2009)

Lift-off

John Cage

Quartet for Percussion, 3. Satz

Eric Whitacre (*1970)

Sleep (Bearbeitung Colores Trio)

John Cage

Quartet for Percussion, 4. Satz

Arvo Pärt

Für Alina

Ticketreservation

Anfahrt

Mit dem Auto nicht erreichbar; Parkplätze Haldenstrasse 1 und 5 in Baar benützen. ÖV: Ab den Bahnhöfen Zug und Baar Bus Linie 3 bis Haltestelle Brauerei; von dort 200 Meter zu Fuss bis zum Parkplatz Haldenstrasse 1; ab dort Shuttlefahrzeug oder zu Fuss (ausgeschilderter Weg, 1,5 km steigend). Alternativ: Bus Linien 1, 2 oder 34 bis Haltestelle Moosrank; ab dort auf der Oberallmendstrasse 1,5 km abwärts.

Trio Colores

Energiegeladen, facettenreich, innovativ, voller Leidenschaft für das Schlagwerk und getrieben von einer schier unersättlichen Spielfreude und Suche nach neuen Klangfarben. Die drei jungen Musiker pflegen ein breites Spektrum sowohl der klassischen als auch der zeitgenössischen Musik. Verbunden mit ihrer Kreativität und ihrem Interesse an Neuem entstehen daraus einzigartig konzipierte Konzerte – so auch heute im unterirdisch-unterweltlichen Wasserreservoir Oberallmig. Das Trio wurde 2019 beim Kammermusikwettbewerb des Migros-Kulturprozent mit dem Jury- und dem Publikumspreis ausgezeichnet. Gefördert wird es von Klaus Schwärzler (Soloschlagzeuger im Tonhalle Orchester Zürich), Benjamin Forster (Solopauker der Berliner Philharmoniker) und Raphael Christen (Yamaha Marimba Artist und Solist), alle Dozenten an der Zürcher Hochschule der Künste.

Unterweltlich

1890 erbaute die Spinnerei an der Lorze, der damalige industrielle Wirtschaftsmotor der Gemeinde Baar, etwa 1'200 Meter vom Firmenstandort entfernt auf der südöstlich ansteigenden Oberallmig ein grosses Wasserreservoir. Im Tagebau und in damals topmoderner Betonbauweise entstand eine monumentale, überwölbte Pfeilerhalle mit einem Raumvolumen von 5'000 Kubikmeter. Nach Abschluss der Bauarbeiten wurde das Ganze wieder mit Erde überdeckt, so dass dem heutigen Betrachter nur das kleine, fast zierliche Zugangshäuschen auffällt. 1993 stellte die Spinnerei ihren Betrieb ein. 1999 erwarb die Korporation Baar-Dorf nebst den Spinnereiquellen auch das Reservoir, das noch bis 2004 genutzt wurde. Seither steht es leer und wurde 2019 durch einen kurzen seitlichen Tunnel zugänglich gemacht.

Das ehemalige Spinni-Reservoir präsentiert sich wie eine antike Zisterne. Neben der spätantiken Cisterna Basilica in Istanbul mit ihren 80'000 Kubikmetern Rauminhalt ist es zwar ein Winzling. Gleichwohl strahlt die eindrückliche unterirdische Pfeilerhalle etwas fast Sakrales aus und erinnert an eine Krypta. Das Kostbare, das hier geborgen wurde, war das Lebenselement Wasser: unscheinbar in seiner Erscheinung, aber unschätzbar in seiner Bedeutung.

Der entleerte Raum erhält in der Musik eine neue Funktion. Er wird zu neuem Leben erweckt. Zugleich erinnern die Musiker durch die sorgfältige Auswahl der gespielten Stücke an das, was nicht mehr da ist, an das, wofür dieser Raum gebaut wurde: das Wasser. Sie möchten das Wasser sozusagen wieder in sein altes Reservoir zurückbringen und den Raum akustisch und visuell tropfen, rauschen, sprudeln und plätschern lassen.

Zwei Werke des Esten Arvo Pärt, des Meisters der Neuen Einfachheit, bilden den Eingang und den Schluss des Konzerts: «Spiegel im Spiegel» und «Für Alina». Pärts Tintinnabuli-Prinzip strebt nicht nach einer progressiv anwachsenden Komplexität, sondern beschränkt sich auf das Wesentliche des Klangmaterials. Wie Tropfen wirft er einzelne Töne in den Raum. Alle tragen sie dieselbe Wichtigkeit in sich.

Dass Rhythmen bei Musik für Schlagzeug eine grosse Rolle spielen, versteht sich von selbst. Dem US-Amerikaner John Cage ging es aber auch darum, neue Schlagzeugklänge und damit ein neues Instrumentarium zu erschliessen. Sein viersätziges «Quartet for Percussion» führt wie ein roter Faden durch das ganze Programm. Drei Stimmen werden akustisch gespielt, die vierte aus der Tiefe des Raumes vervollständigt das Quartett über ein Audiofile.

Bei Samuel Barbers «Adagio» und bei Eric Whitacres «Sleep» lässt sich je nach persönlicher Stimmungslage an die ruhige See, an das Sprudeln einer Bergquelle oder das Rauschen eines Wasserfalls denken. Jedoch: Wasser tröpfelt, sprudelt und plätschert nicht nur, es kann auch mit zerstörerischer Kraft fluten, reissen, überschwemmen. Für diese auflodernde, die Räume füllende Energie steht «Lift-off» von Russell Peck.

Einführung zum Konzertort

Michael van Orsouw
Dr. phil., Schriftsteller und Historiker

Aperitivo

Colicchio Vini, Zug

Kleidung

Wir empfehlen zu diesem Konzert Jacke und gute Schuhe.

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