CHAM
OYM – Spitzensport-Ausbildungszentrum
Sonntag, 17. Juli 2022
17.00 Uhr und 20.00 Uhr
«Cremoneser Wohlklang»
cello hoch vier

Christian Poltéra, Violoncello

Geboren 1977 in Zürich. Studium bei Heinrich Schiff in Salzburg und Wien. Konzertiert weltweit als Solist und Kammermusiker. Streichtrio mit Frank Peter Zimmermann und Antoine Tamestit. Dozent an der Hochschule für Musik in Luzern. Spielt das «Mara»-Violoncello von Antonio Stradivari aus dem Jahr 1711.

Thomas Demenga, Violoncello

Geboren in Bern. International renommierter Solist, Komponist und Pädagoge; gehört zu den herausragenden Cellisten und Musikerpersönlichkeiten unserer Zeit. Dozent an der Hochschule für Musik in Basel. «Artiste étoile» am Lucerne Festival 2003. Spielt das «ex-David-Soyer»-Andrea Guarneri Cello von 1669.

Patrick Demenga, Violoncello

Geboren in Bern. Studien bei Boris Pergamenschikow in Köln und Harvey Shapiro in New York. Umfangreiche internationale Konzerttätigkeit. Intendant der Musikfestwochen Meiringen und Dozent an der Haute Ecole de Musique Lausanne. Er spielt ein Cello von Francesco Ruggeri, Cremona 1665.

Julian Steckel, Violoncello

Geboren in Pirmasens. Studium u.a. bei Boris Pergamenschikow und Heinrich Schiff. Erstpreisträger des Internationalen ARD-Wettbewerbs 2010. Seit 2017 Professur für Violoncello an der Musikhochschule München. Internationale Konzerttätigkeit. Spielt ein Cello von Andrea Guarneri von 1685.

Programm

Johann Sebastian Bach (1685–1750) / arr. Thomas Demenga
«Ave Tommaso» für 4 Violoncelli 

Henri Dutilleux (1916–2013)
3 strophes sur le nom de SACHER für Violoncello solo 

Jean-Baptiste Barrière (1707–1747)
Sonate Nr. 4 G-Dur für 2 Violoncelli 

Witold Lutoslawski (1913–1994)
Sacher Variation für Violoncello solo

Nicoló Paganini (1782–1840)
Moses-Variationen für 2 Violoncelli

Luciano Berio (1925–2003)
«Les mots sont allées» für Violoncello solo 

Friedrich August Kummer (1797–1879)
Duo op. 22 Nr. 3 für 2 Violoncelli 

Cristóbal Halffter (1930–2021)
Variationen über das Thema eSACHERe für Violoncello solo  

Pjotr Iljitsch Tschaikowski (1840–1893) / arr. Thomas Demenga
Rokoko-Variationen A-Dur op. 33 für 4 Violoncelli  

Ticketreservation

Anfahrt

Adresse OYM

Lorzenparkstrasse 22, Cham. Anfahrt über die Knonauerstrasse. Parkplätze vorhanden. ÖV: Bus Linie 42 ab Bahnhof Cham (Haltestelle Lorzenpark).

Cello hoch vier

Mal begleitend, mal solistisch glänzend, dann wieder melodische Wärme versprühend oder auch mehrere Rollen gleichzeitig darstellend – all dies gehört zu den breit gefächerten Möglichkeiten des Violoncellos. Der Zusammenklang mehrerer Celli lässt eine ganz besondere, einzigartige Sonorität entstehen – natürlich umso mehr, wenn vier so edle Cremoneser Instrumente zusammenkommen: eines von Francesco Ruggeri, zwei von Andrea Guarneri und das «Mara» von Antonio Stradivari, alle gebaut zwischen 1665 und 1711. Für dieses Konzert haben sich mit den Brüdern Thomas Demenga (im Bild) und Patrick Demenga, Christian Poltéra und Julian Steckel vier befreundete Cellisten, allesamt Koryphäen ihres Fachs, zusammengefunden und bringen ihre Persönlichkeiten mit ins Spiel – verschieden und harmonisch zugleich, ganz dem Naturell ihres gemeinsamen Instruments entsprechend.

Cremoneser Wohlklang

Das Violoncello mit seinem enormen Tonumfang und seinen sonoren Qualitäten hat sich von seiner ursprünglichen Funktion als Begleitinstrument (basso continuo) durch die Jahrhunderte zunehmend emanzipiert. Komponisten und Interpreten, früher oft in Personalunion (Barrière, Kummer, Paganini) und heute leider nur noch vereinzelt (Thomas Demenga!), haben die technischen und somit musikalischen Möglichkeiten des Cellos auf kreativste Weise weiterentwickelt.

1976, zum 70. Geburtstag von Paul Sacher – Schweizer Dirigent, Förderer und Interpret neuer Musik – animierte Mstislav Rostropowitsch zwölf der bedeutensten Komponisten seiner Zeit, eine Komposition für Violoncello über das Thema eSACHERe zu schreiben, die «Douze Hommages à Paul Sacher pour Violoncelle». Die mit Paul Sacher befreundeten Komponisten Britten, Halffter, Henze, Beck, Holliger, Dutilleux, Lutoslawski, Fortner, Huber, Berio, Ginastera und Boulez thematisierten in ihren Kompositionen alle den Namen Sacher. Die verschiedensten Kompositionsweisen und Aspekte der Neuen Musik der 1970er Jahre wurden dadurch kontrastreich demonstriert. Im heutigen Programm hören wir vier dieser Werke: jene von Dutilleux, Berio, Lutoslawski und Halffter.

Zu den Bearbeitungen von Thomas Demenga lassen wir den Arrangeur selbst zu Wort kommen: «Ave Tommaso» ist angelehnt an das Ave Maria von Gounod, welches als «Begleitung» auf das erste Prélude in C-Dur des Wohltemperierten Klaviers von Johann Sebastian Bach zurückgreift. Da das Prélude aus der Es-Dur Suite für Cello solo eine ganz ähnliche Struktur aufweist, habe ich schon sehr lange mit dem Gedanken herumgespielt, auch zu diesem Prélude eine Melodie zu schreiben. Daraus ist ein Celloquartett geworden, und ich nenne es selbstironischerweise «Ave Tommaso».

Wenn Peter Tschaikowski das Leben zu schwer wurde und seine Ängste und Sorgen ihm die Luft abschnürten, flüchtete er. Er katapultierte sich in eine Gedankenwelt, die weit weg von seinem alltäglichen Leben war. Als er seine Rokoko-Variationen op. 33 schrieb, ging er im Kopf zurück ins 18. Jahrhundert. Zeitlebens verehrte Tschaikowski den Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, dieses «sonnige Genie», wie er gerne sagte. Deshalb griff er für seine Variationen auch auf die Ästhetik des Wiener Klassikers zurück und formte sie nach seinen eigenen Ideen und Klangidealen um. Unterstützt wurde er dabei vom Cellisten und guten Freund Wilhelm Fitzenhagen, dem er die Variationen später widmete. Gemeinsam versuchten sie, das Cello mit all seinen spiel- und klangtechnischen Möglichkeiten in den Mittelpunkt zu stellen. Deswegen gehört das Stück, von dem es eine ganze Reihe von Bearbeitungen gibt, bis heute zu den beeindruckendsten Werken dieser Gattung. Im Arrangement von Thomas Demenga sind die Solostimme und das «Orchester» gleichberechtigt auf die vier Cellisten verteilt, so dass alle ein Stück des begehrten Kuchens bekommen.

Zum Konzertort

In Cham besteht seit 2020 etwas weit über die Schweiz hinaus Einzigartiges: das Spitzensport-Ausbildungszentrum OYM (On Your Marks = Auf die Plätze). Der 100-Millionen-Bau ist ein Geschenk des EVZ-Präsidenten Dr. Hans-Peter Strebel. Seine Vision: Athletiktraining und Wissenschaft in modernster Infrastruktur miteinander zu verbinden. Bis zu 250 Spitzensportler sollen die Möglichkeit haben, betreut von 50 bis 60 Mitarbeitern unter idealen, auf dem neuesten Stand der Wissenschaft und auf interdisziplinären Forschungserkenntnissen basierenden Trainings-, Präventions-, Rehabilitations- und Ernährungsbedingungen die individuell maximale Steigerung ihrer Leistungsfähigkeit zu erreichen. Der gezielten Förderung von Nachwuchsathleten dient das OYM-College. Hier werden Spitzensport und Ausbildung so miteinander verbunden, dass sich die Schule um den Sport herum organisiert und nicht umgekehrt. Zum Gebäudekomplex mit Eishalle, Dreifachturnhalle, 3000 Quadratmetern Athletiktrainingsflächen, Schulungsräumen, Mensa usw. gehört auch – ein Auditorium mit perfekter Konzertakustik.

Einführung zum Konzertort

Felix Jaray
Leiter des Amts für Sport und Gesundheitsförderung des Kantons Zug

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