baar
Heilpädagogisches Schul- und Beratungszentrum Sonnenberg
Sonntag, 31. Juli 2022, 17.00 Uhr
«Inniges Leuchten»
Esther Hoppe und Jung Hu

Esther Hoppe, Violine

Geboren in Zug. Studien in Basel, Philadelphia (Curtis Institute of Music), London und Zürich. 1. Preise am Internationalen Mozart-Wettbewerb Salzburg und am ARD-Wettbewerb München. Internationale Konzerttätigkeit. Seit 2013 Professur für Violine an der Universität Mozarteum Salzburg.

Jung Hu, Klavier

Geboren in Taipeh. Masterstudium bei Konstantin Lifschitz an der Hochschule für Musik Luzern. 2016 Akademist für Klavier-Korrepetition am Opernhaus Zürich. Seit 2021 Korrepetitor an der Hochschule für Musik Luzern. Solist und Kammermusiker mit internationaler Konzerttätigkeit.

Programm

Johannes Brahms (1833–1897)
Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 G-Dur op. 78 (1879)​

Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 A-Dur op. 100 (1886)
​Sonate für Klavier und Violine Nr. 3 d-Moll op. 102 (1889)


Konzertflügel Yamaha

Ticketreservation

Anfahrt

Adresse

Landhausstrasse 20, Baar. Der Sonnenberg befindet sich ganz nah beim Zuger Kantonsspital. Kurze Gehdistanz zum Bahnhof Baar. Parkhaus: Kantonsspital

Esther Hoppe und Jung Hu

Theodor Billroth (1829–1894), einer der bahnbrechendsten Ärzte des 19. Jahrhunderts, war dem fast gleichaltrigen Johannes Brahms (1833–1897) in jahrzehntelanger Freundschaft eng verbunden. Selber ein begabter Pianist und Violinist, sagte er beim Erscheinen einer der Violinsonaten seines grossen Musikerfreunds, dass ihre Empfindungen für eine breite Öffentlichkeit eigentlich zu fein, zu wahr und zu warm seien und ihre Innerlichkeit zu herzlich. Das stille, innige Leuchten der ersten Sonate, das zarte und duftige Blühen und Schweben der Thuner Sonate und die Dramatik und Virtuosität der dritten Sonate in ein und demselben Konzert erleben zu dürfen, ist im Konzertbetrieb selten – ein Traum sowohl für das Publikum wie auch für die Ausführenden. Die Zuger Geigerin Esther Hoppe und der taiwanesische Ausnahmepianist Jung Hu mit seiner besonderen Affinität zu Brahms erfüllen sich und uns diesen Traum.

Inniges Leuchten

Alle drei Brahms-Sonaten für Violine und Klavier sind intime autobiographische Bekenntnisse. Daraus erklärt sich auch ihr enger Bezug zu seinen Liedern, denn das Kunstlied war für Brahms unmittelbarster Ausdruck seiner Gefühle und Weltanschauungen.

Die erste Sonate in G-Dur begann Brahms im Mai 1878 in Pörtschach am Wörthersee. Er war auf der Rückfahrt von einer Italienreise sozusagen dort hängengeblieben. Brahms’ Biograph Kalbeck schrieb, die eigenartige Stimmung der Sonate sei «so eindringlich niemals wieder ausgesprochen worden. Ein doppeltes Lenzlied, welches die Vergangenheit mit der Gegenwart wieder zum Blühen bringt und dabei an die Hinfälligkeit der Zeiten mahnt.» Auf seiner Italienreise hatte Brahms seinen Patensohn Felix Schumann besucht, den an Tuberkulose erkrankten Sohn von Clara und Robert Schumann, der sich zur Kur in Palermo aufhielt. Dabei hatte man Brahms mitgeteilt, dass für Felix keine Hoffnung mehr bestehe. Es wird vermutet, dass das Adagio die Trauer über die Krankheit seines Patensohns widerspiegelt. Das Finale nimmt Bezug auf das Regenlied «Nachklang», in welchem die Klavierbegleitung mit einer Art Tropfenmotiv eine weiche, herbstlich verhangene Stimmung erzeugt. Die Freunde von Brahms empfanden schon beim ersten Durchspielen der G-Dur Sonate den stillen, innig leuchtenden Zauber, der über dem ganzen Werk liegt.

Den Sommer 1886 verbrachte Brahms in Thun, wo er unter anderem seine zweite Violinsonate schrieb. Sie hat den Beinamen «Thuner Sonate» und gilt als «Liebes- und Lieder-Sonate» schlechthin, quasi ein Gedicht in drei Strophen zu Ehren der Sängerin Hermine Spies. Als er hörte, dass diese ihn in Thun besuchen würde, begann Brahms sofort zu komponieren – zwei neue Lieder und die Violinsonate, die mit jenen Liedern eng zusammenhängt. In dieser Sonate blüht und schwebt es wie in keiner zweiten dieser Gattung, alles wirkt zart und duftig, ohne das Thema Virtuosität auch nur zu streifen. 

Im gleichen Sommer – dem Kammermusiksommer in Thun – begann Brahms auch seine dritte Sonate, vollendete sie aber erst zwei Jahre später. Alle Kammermusikwerke, welche er in diesem Sommer komponierte, widmete er befreundeten Musikern. Die d-Moll Sonate ist nicht einem Geiger, sondern einem Pianisten gewidmet, nämlich Hans von Bülow. Somit ist es der Klavierpart, der hier die dominierende Rolle spielt. Im Vergleich zu den ersten beiden Violinsonaten, welche subtiler und feiner abgetönt wirken, tritt hier die Geige mit dem Klavier in einen konzertanten Wettstreit. Die Viersätzigkeit, die dramatischen Ecksätze und der virtuose Klavierpart, über dem die Geige brillieren kann, lassen die Sonate zum Genre «Grande Sonate» gehören, und sie ist wohl auch deshalb von den drei Violinsonaten von Brahms die im Konzertsaal am meisten gehörte.

Zum Konzertort

1925 gründete der Luzernische Blindenfürsorgeverein in Fribourg den Sonnenberg als «Schweizerische Erziehungsanstalt für blinde Kinder katholischer Konfession». Die Leitung übernahmen Franziskanerinnen aus dem Kloster Baldegg. Gestartet wurde mit fünf Kindern. Die 1960 eingeführte Schweizerische Invalidenversicherung sprach jedem sehbehinderten oder blinden Kind das Recht auf Sonderschulung zu und führte in der Folge zu einem starken Nachfragewachstum. Die dadurch nötig werdenden Um- und Neubaupläne, verknüpft mit dem Wunsch nach einem zentraler gelegenen Standort, führten zum Umzug nach Baar, wo 1981 der neue Sonnenberg als Schule für Blinde und Sehbehinderte eröffnet wurde. Der Neubau des Zuger Architekten Peter David Weber wurde strikte auf die Bedürfnisse dieser Menschen ausgerichtet. Wie erleben sie räumliche Strukturen? Wie orientieren sie sich darin? Im Unterschied zu sehenden Menschen nehmen sie zuerst die Details, die kleinen, buchstäblich begreifbaren Strukturen wahr. Erst danach erschliessen sie sich das grosse Ganze wie zum Beispiel ein Haus. Genau diesen «umgekehrten» Weg musste auch der planende Architekt gehen.

Einführung zum Konzertort

Katinka Probst
Bereichsleiterin Heil- und Sozialpädagogik im Zentrum Sonnenberg

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