Hünenberg
Reformierte Kirche
Sonntag, 7. August 2022, 17.00 Uhr
«Spanischer Blütenzauber»
azahar Ensemble

Maria Alba Carmona Tobella, Oboe

Geboren 1986 in Frankreich. Studium in San Sebastián und an der Musikhochschule Basel bei Emmanuel Abbühl. Seit 2011 2. Oboistin und Englischhornistin im Orchester der Oper Zürich (Philharmonia Zürich). Mitglied der Ensembles «Spira Mirabilis» und Orchestra la Scintilla. Mitbegründerin von Azahar.

Antonio Lagares Abeal, Horn

Geboren 1986 in Betanzos (Galicien). Studien im galizischen A Coruña und ab 2009 an den Musikhochschulen Lausanne und Luzern bei Olivier Darbellay. Solohornist der Sinfonietta de Lausanne. Assistenzprofessor für Horn und Kammermusik an der Hochschule Luzern. Mitbegründer von Azahar.

María José García Zamora, Fagott

Geboren 1986 in Albatera (Alicante). Studien an der Musikhochschule Zaragoza bei Juan Sapiña und an der Musikhochschule Basel bei Sergio Azzolini. Solistendiplom 2013. Seit 2013/14 Solofagottistin im Orchester der Komischen Oper Berlin. Mitbegründerin von Azahar.

André Cebrián Garea, Flöte

Geboren in Santiago de Compostela. Studium an der Hochschule für Musik in Detmold bei János Bálint und an der Haute École de Musique in Genf bei Jacques Zoon. Soloflötist beim Scottish Chamber Orchestra. Gründer des Natalia Ensemble und des Kammermusikfestivals Anguiano in La Rioja. Azahar-Mitglied seit 2020.

Miquel Ramos Salvadó, Klarinette

Geboren 1989 in Barcelona. Studium an der Musikhochschule Katalonien und ab 2011 an der Musikhochschule Lübeck bei Sabine Meyer. 2013 Master mit Auszeichnung. Begeisterter Kammermusiker. Mitglied des Murtra Ensemble und des Projekts «Spira Mirabilis». Azahar-Mitglied seit 2017.

Programm

Anton Reicha (1770–1836)

Bläserquintett e-Moll op. 88 Nr. 1

Paul Hindemith (1895–1963)
Kleine Kammermusik op. 24 Nr. 2

Anton Reicha (1770–1836)
Andante für Englischhorn und Bläserquartett Nr. 2 F-Dur

Carl Nielsen (1865–1931)

Bläserquintett A-Dur op. 4

Ticketreservation

Anfahrt

Adresse

Zentrumstrasse 8, Hünenberg. Die reformierte Kirche befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur katholischen Pfarrkirche und zum Saal Heinrich von Hünenberg. ÖV: Buslinie 41 ab Cham/Bahnhof bis Haltestelle «Hünenberg Dorf». Mit Auto: Parkplätze vorhanden.

Azahar Ensemble

Azahar entstand 2010 aus Musikerinnen und Musikern des nationalen spanischen Jugendorchesters, denen dank einem Stipendium der «Fundación JONDE-BBVA» ein Kammermusikstudium beim Fagottisten Sergio Azzolini an der Hochschule für Musik in Basel ermöglicht wurde. 2011 gewann das Ensemble den Orpheus-Wettbewerb des Swiss-Chamber-Music-Festivals Adelboden und 2014 beim 63. Internationalen Musikwettbewerb der ARD einen zweiten Preis sowie den Publikumspreis. 2018 war es «Quintet in residence» beim renommierten Honens-Klavierwettbewerb in Kanada. Azahar begeistert durch die «grosse Fantasie und technische Präzision» (Süddeutsche Zeitung), mit der das Ensemble in seinen Interpretationen die Musik «in sinnlicher Fülle aufblühen lässt» (Frankfurter Allgemeine Zeitung). Der Name Azahar bezeichnet übrigens die weissen, aromatisch duftenden Blüten der Zitrusbäume, welche die Landschaft Südspaniens prägen.

Spanischer Blütenzauber

Bis Ende des 18. Jahrhunderts bestand die Kammermusik für Bläser aus Harmoniemusiken mit je paarweise besetzten Oboen, Klarinetten, Hörnern und Fagotten. Mit dem Niedergang der aristokratischen Gesellschaft sank der Bedarf an dieser Art Unterhaltungsmusik, und mit der Entwicklung einer bürgerlichen Musikkultur entstand gleichzeitig der Wunsch nach Werken einer «gehobenen» Kammermusik, die neben dem dominierenden Streichquartett zu bestehen vermochten. Das früheste bekannte Bläserquintett wurde um 1780 von Antonio Rosetti geschaffen, einem der beliebtesten Komponisten seiner Zeit. Zum eigentlichen Vater dieser Musikgattung wurde aber der Prager Anton Reicha, geboren im selben Jahr wie Beethoven und zu Knabenzeiten als Flötist Beethovens Kollege in der Bonner Hofkapelle. Die beiden blieben in einer langen Freundschaft miteinander verbunden.

1808 übersiedelte Reicha nach Paris, wo er als Komponist für Bläsermusik zu grossem Ansehen kam. Er wurde Professor für Komposition am Pariser Konservatorium. Zu seinen Schülern gehörten u.a. Hector Berlioz, Franz Liszt, Charles Gounod, Louise Farrenc, George Onslow und César Franck. In Paris fand Reicha mit dem Flötisten Joseph Guillou, dem Oboisten Gustave Vogt, dem Klarinettisten Jacques-Jules Bouffil, dem Hornisten Louis François Dauprat und dem Fagottisten A. N. Henry jene herausragenden Musiker vor, für die er 24 Quintette komponierte, welche als stilbildend für diese Besetzung gelten. Der Erfolg dieser Werke verhalf einerseits den Musikern als Reicha-Quintett zu Berühmtheit. Andererseits diente Reicha anderen Komponisten als Vorbild, so dass in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreiche weitere Holzbläserquintette entstanden.

Dieser Boom erlahmte in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. 1922 jedoch, also vor genau hundert Jahren und rund hundert Jahre nach Anton Reicha, verhalfen Paul Hindemith und der dänische Komponist Carl Nielsen der Gattung sozusagen zu einem Neustart, der eine mit seiner «Kleinen Kammermusik», der andere mit seinem A-Dur-Quintett. Hindemith, 27-jährig, war im Aufbruch begriffen. Der Neuen Musik und dem Jazz sehr zugetan, konnte er sein Publikum mit provozierend neuartigen Klängen schockieren, was ihm den Ruf eines Bürgerschrecks einbrachte. Nielsen hingegen, dreissig Jahre älter, stand 1922 auf dem Höhepunkt seines Schaffens und wurde in Dänemark sehr verehrt. Beide Quintette sind bezüglich Struktur und Charakter neoklassisch geprägt und lassen die Instrumente genau gleich wie beim Klassiker Reicha in einer fast theaterhaften Inszenierung auftreten, wobei jedes Instrument wie eine Theaterfigur Rollen spielt und Charaktere darstellt und alle miteinander eine rhetorisch hoch virtuose, mit Humor und viel Drama durchsetzte Unterhaltung führen.

Zum Konzertort

Zwischen 1970 und 2010 wuchs die Bevölkerung der Gemeinde Hünenberg von 1819 auf 8836 Einwohnerinnen und Einwohner. Die Zahl der Reformierten erhöhte sich im gleichen Zeitraum von 207 auf 1684, wodurch auch der Ruf nach einem eigenen Kirchenraum immer lauter wurde. 1991 setzte man eine Planungskommission ein. Unter Einbezug des Hünenberger Kirchenvolks wurden zentrale Leitgedanken formuliert, die das Bauvorhaben verkörpern sollte: Quelle des Lebens, Geborgenheit, Gemeinschaft, Offenheit fürs Leben. Direkte Wünsche an den Neubau wurden vorgebracht: Bezug zur (katholischen) Heilig-Geist-Kirche, einfach und schlicht, ökologisch, schöne und warme Materialien, gute Akustik, Licht, offene Türe. Aus einem Architekturwettbewerb ging der Zürcher Architekt Willi Egli als Sieger hervor. Sein Projekt „Rahmen“, welches eine vom Grundriss her viereckige Lösung vorsah, wurde in der Folge durch Baukommission und Architekt zum heutigen markanten Rundbau weiterentwickelt. Im Juni 1997 konnte das neue Reformierte Kirchenzentrum Hünenberg schliesslich eingeweiht werden.

Einführung zum Konzertort

Käty Hofer
damalige Präsidentin der Hünenberger Kirchenbaukommission

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