muri
Festsaal im ehemaligen Kloster Muri
Sonntag, 24. Juli 2022, 17.00 Uhr
«Zeitlos»
Ensemble Chamäleon

Madeleine Nussbaumer, Klavier

Geboren in Zug. Matura. Solistendiplom mit Auszeichnung bei Hubert Harry an der Musikhochschule Luzern. Begeisterte Kammermusikerin. Initiantin des Ensembles Chamäleon und des Festivals Sommerklänge (künstlerische Leitung). Lehrtätigkeit. Anerkennungspreis 2021 des Kantons Zug.

Tobias Steymans, Violine

Geboren in Deutschland. Abitur. Ausbildung in Köln (Igor Ozim und Zakhar Bron) und Boston USA (Joseph Silverstein). Solistische Konzerttätigkeit. Konzertmeister des Orchesters der Oper Zürich. Seit 2009 1. Konzertmeister im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks München.

Luzius Gartmann, Violoncello

Aufgewachsen in Chur. Matura. Konzertexamen an der Musikhochschule Wien bei André Navarra. Bis 2021 Mitglied des Orchesters der Oper Zürich (Philharmonia Zürich). Kammermusikkonzerte (Orion Trio, Ensemble Chamäleon, Avalon Trio) in vielen Musikzentren Europas und Japans.

Stojan Krkuleski, Klarinette

Geboren 1986 in Belgrad. Ausbildung an der Fakultät für Musikalische Künste in Belgrad bei Ante Grgin und an der Hochschule für Musik in Basel bei François Benda. 2. Preis und Publikumspreis am Internationalen Musikwettbewerb 2012 der ARD. Seit 2014 Soloklarinettist des Luzerner Sinfonieorchesters.

Programm

Maurice Ravel (1875–1937)

Trio für Violine, Violoncello und Klavier (1914)

Olivier Messiaen (1908–1992)

Quatuor pour la fin du temps für Violine, Klarinette, Violoncello und Klavier (1941)

Konzertflügel Steinway & Sons: La Bottega del Pianoforte, Bironico

Ticketreservation

Anfahrt

Adresse

Seetalstrasse 6, 5630 Muri. ÖV: S 1 bis Rotkreuz, S 26 bis Muri; vom Bahnhof über den Nordklosterrain und die Marktstrasse zum Klosterhof. Mit Auto: Von Sins her auf der Luzernerstrasse bis zum zentralen Kreisel; hier links abbiegen in die Seetalstrasse und dann rechts in die Marktstrasse. Parkplätze Chäsi, Wilerweg oder beim Bahnhof.

Ensemble Chamäleon

1990 hat die Zuger Pianistin Madeleine Nussbaumer das Ensemble Chamäleon ins Leben gerufen. Die Grundidee: ein festes Klaviertrio, das aber je nach Programm weitere Musikerinnen und Musiker und ihre Klangfarben mit einbezieht – so dieses Jahr den serbischen Klarinettisten Stojan Krkuleski, Preisträger beim Internationalen ARD-Musikwettbewerb, seit 2014 Soloklarinettist beim Luzerner Sinfonieorchester und ein begeisterter Kammermusiker. Das Ziel des Ensemble Chamäleon: einem interessierten Publikum den ganzen Reichtum der mit Klavier besetzten Kammermusik von der Klassik bis zu zeitgenössischen Kompositionen näher zu bringen. 2020 konnte das Chamäleon sein 30-jähriges Bestehen feiern. 2021 wurde seine Gründerin für ihr breit gefächertes kammermusikalisches Wirken mit dem Anerkennungspreis des Kantons Zug geehrt.

Zeitlos

Maurice Ravels Entwicklung zum Komponisten speiste sich aus verschiedenen Quellen. Zum einen war da die Ausbildung am Pariser Conservatoire als Kompositionsschüler von Gabriel Fauré. Genauso prägend war aber auch seine Abstammung von Eltern, die unterschiedlicher nicht hätten sein können: Seine baskische Mutter lehrte ihn als Kind die rhythmisch komplizierten Volkslieder und Tänze ihrer Heimat und weckte in ihm die Liebe zum Meer und zur Sonne des Südens. Sein Vater, ein Ingenieur, der sich als Erfinder betätigte, stammte aus der französischen Schweiz. Ravels so genau ausgetüftelte Partituren hängen auch mit dessen Perfektionsbesessenheit zusammen.

In seinem Trio findet man alle diese Einflüsse. Die Themen des ersten und des letzten Satzes beruhen auf baskischen Rhythmen, die Harmonie-Begleitung ist jedoch ganz französisch-impressionistisch gehalten. In der instrumentalen Ausarbeitung kommt dann wiederum der Tüftler zum Zug: Man kann nur staunen, wie gut Ravel die Möglichkeiten aller Instrumente kannte, und wie er sie hochvirtuos einsetzte. Nicht umsonst nannte ihn Strawinsky «l’horloger suisse».

Ob die lauten Triller und Akkordkaskaden im letzten Satz tatsächlich eine Anspielung auf die Kirchenglocken der Mobilmachung waren, wie einige Zeitgenossen meinten, lässt sich nicht mehr klären. Fest steht aber, dass Ravel den Trio-Entwurf 1914 nur wenige Tage nach Beginn des 1. Weltkriegs beendet hat.

Olivier Messiaen ist nicht nur eine Generation jünger als Ravel, er ist in seiner Kompositionshaltung auch grundverschieden. Seine Inspirationsquellen sind die Natur, insbesondere das Studium der Vogelstimmen, die Mystik, die Zahlensymbolik, die Gregorianik und nicht zuletzt der Katholizismus. 1940 geriet Messiaen in deutsche Kriegsgefangenschaft und wurde in ein Lager bei Görlitz deportiert. Immerhin ermöglichte man ihm dort, dass er komponieren konnte. Da ausser ihm noch ein Klarinettist, ein Geiger und ein Cellist inhaftiert waren, entschloss er sich, für diese ausgefallene Besetzung ein Quartett zu schreiben, nämlich das «Quatuor pour la fin du temps», welches 1941 im Lager zum ersten Mal gespielt wurde. Die vielen hundert Häftlinge, die der Uraufführung beiwohnten, seien das aufmerksamste Publikum gewesen, das er je erlebt habe, schrieb er später.

Den Werktitel entnahm Messiaen der Offenbarung des Johannes. Das grossartige Thema ist die Aufhebung der Dimension Zeit und der erlösende Übergang in die göttliche Zeitlosigkeit. Das Ewige, Unendliche mit musikalischen Mitteln erahnen zu lassen, war die Herausforderung an den Komponisten, die Lösung – so Messiaen selbst – nur Versuch und Gestammel, aber mit welcher Wirkungsmacht! Noch einmal der Meister: «Die Musik drückt nichts direkt aus. Aber sie kann suggerieren, einen Seelenzustand auslösen, das Unterbewusste berühren, die Fähigkeit zum Träumen vergrössern, und das sind unermessliche Kräfte.»

Zum Konzertort

Das 1027 gegründete Benediktinerkloster Muri im aargauischen Freiamt wurde zwar 1841 aufgehoben. Seine Grösse zeichnet sich aber noch heute im Ortsbild ab und lässt die ehemals enorme Strahlkraft erahnen. In der alten Zeit vor der Schaffung des Kantons Aargau gab es zahlreiche Bezüge zu Zug. Das Kloster hatte Streubesitz am Zugersee und bezog von dort Fischzinsen. Seit 1415, nach der Eroberung des Aargaus, gehörte Zug zu den dort regierenden eidgenössischen Orten und war damit auch Schirmherr des Klosters. Abt Plazidus Zurlauben von Zug hat Kloster und Kirche neu gebaut und dabei das wunderbare Kirchenoktogon geschaffen. 1701 wurde er vom Kaiser in den Fürstenstand erhoben. Zahlreiche Zuger Kunsthandwerker waren in Muri tätig, darunter auch die Orgelbauer Bossard von Baar. Ab 1790 sollte das ganze Kloster neu gebaut werden. Vollendet wurden nur der riesige Ost- und der Südflügel. Im südöstlichen Eckpavillon befand sich die Klosterbibliothek. Zerstörerischer Grossbrand 1889. Der später als Turnhalle genutzte Raum wurde erst 1988–1991 renoviert und zum heutigen Festsaal umgebaut.

Einführung zum Konzertort

Urs Pilgrim
Dr. med., ehem. Präsident der Stiftung «Murikultur»

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